Tag Archives: Weltkulturerbe

Fotografie: Entlang der Moldau zum Weltkulturerbe

29 Mrz

Cesky Krumlov & Moldaustausee

Ein paar weitere Fotografien von den Tagen in der Südostecke Deutschlands letzte Woche. Die Bilder sind in einem retro anmutenden Stil gehalten – zum einen weil die Reise nach Westböhmen für mich auch immer eine Reise in die Vergangenheit ist, zum anderen, weil die blassen etwas ausgebleichten Farben durchaus der tschechischen Landschafts- und Gebäudegenese nahe kommen. Vorneweg aber zunächst zwei Impressionen aus Passau vom Zusammenfluss von Inn und Donau. Eigentlich werden diese beiden Bilder der spektakulären Lage der Stadt am Zusammenfluss der beiden bereits genannten Flüsse und der Ilz gerecht. Aber dennoch sollen sie hier ihren Platz finden, da die alte Nibelungenstadt Passau ehedem das Tor zum Böhmerwald war und die sagenhaften Handelsroute „Der goldene Steig“ hier ihren Ausgang nahm, um die Höhenzüge zu überwinden um den Salztransport nach Tschechien sicherzustellen. Denn reiche Städte befanden sich hinter dem Waldgebirge: Prachatitz, Budweis und nicht zuletzt Krummau. Von einer modernen Erkundungstour ins malerische Krummau soll nachfolgend die Rede sein.

Historisches Passau von der Innbrücke aus


 

Entlang der Moldau

Im äußersten Osten Bayerns beginnt dieser kleine Roadtrip mit vielfältigsten Eindrücken. Ziel ist das Tal der Moldau und Cesky Krumlov, zu deutsch Krummau, eine stolze mittelalterliche Kleinstadt, die sich aufgrund ihres intakten historischen Kerns den Titel „UNESCO Weltkulturerbe“ verdient hat. Auf 1000m Seehöhe beginnt die Fahrt in den Hochlagen des Bayerisch-Böhmischen Waldes. Selbst Ende März ist die Landschaft noch unter einer geschlossenen Schneedecke versteckt. Von hier macht man sich auf ins Moldautal mit seinen alten Siedlungen, welche den Glanz der goldenen Stadt Prag vorwegnehmen. Klöster, Schlösser und kleine Städtchen locken entlang des lieblichen Flusslaufs. Doch bevor man in die Geschichte eintaucht verabschiedet sich die Gegenwart nicht ohne einen kleinen Schock: Aufgrund der Grenzlage tummeln sich im ersten Ort hinter der Grenze, Strazny, ein Haufen Geschäftemacher. Es lohnt sich nicht hier zu verweilen. Denn hat man die Prostituierten und Fidschi-Märkte an der Grenze bei Philipsreut erstmal hinter sich gelassen, taucht man ein in eine Landschaft fernab unserer Hektomatikwelt.  Es ist so, als wäre man ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurückgereist. Die Dörfer wirken verschlafen. Hier geht man seinem Tagesgeschäft nach: Der Einkauf wird noch mit charakteristischen blümchenverzierten Plastebeuteln und geflochtenen Körben nach Hause getragen. Am späten Abend trifft man sich in den Dörfern auf ein Gambrinus oder ein Kozel in einer der kleinen Schankstuben. Hier und da irrt ein Hund oder ein Huhn umher und der Putz fällt von den Wänden. Die Zeit gibt so ein Stück Vergangenheit preis: Alte deutsche Beschriftungen wie „Wolfsmühle“ werden wieder lesbar. Denn der Landstrich entlang der Moldau war bis zur Vertreibung nach dem Zweiten Welktrieg hauptsächlich deutsches Siedlungsgebiet. Der Weg führt weiter zum Moldaustausee. Mit 48km Länge und 10km Breite ist er der größte Stausee  Tschechiens. Er wird auch als „Böhmerwald Meer“ bezeichnet. In Horni Plana / Oberplan ist der Ortskern und das Geburtshaus des Schriftstellers Adalbert Stifter ansprechend renoviert worden. Aber dennoch merkt man – trotz der geringen Entfernung zur Grenze – dass man im Ausland unterwegs ist. Das West-Ost Gefälle macht sich direkt an der Grenze besonders stark bemerkbar. 20 Jahre nach der Wende schwebt immer noch der Geist der Kommunismus und des Kalten Krieges über diesen Landstrich. Selbst neuere Beschilderungen sind anscheinend mit Schriftarten gesetzt, welche von der Ära des Warschauer Paktes inspiriert sind. Allein das – vor allem von holländischen Touristen besuchte – neue Tourismuszentrum  bei Lipno strotzt nur so vor moderner Bebauung. Der Stausee von Lipno selbst ist zu dieser Jahreszeit noch von einer Eisschicht überzogen, am Horizont ragen die schneebedeckten Gipfel des Hochwaldes auf. Bis knapp an die 1400m Marke reicht die höchste Erhöbung Plöckenstein.

Panorama des Moldaustausees von Horni Plana aus


Altes Tretboot nahe der Schilfkante

Doch je weiter man dem Tal der Moldau folgt, desto milder wird es. Beim Kloster Weißenbrot und an Schloss und Burg Rosenberg sind die Schneereste verschwunden und die stolzen Gemäuer erheben sich hoch über dem Fluss. Stets folgt die Straße den mal weiteren, mal engeren Schlingen der noch jungen Moldau. Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb von Kanutouristen. Gelegentlich künden alte Industrieanlagen von der Nutzung der Wasserkraft, doch auf weiten Strecken wirkt die Natur unberührt. Besonders die Waldgebiete entlang der Grenze zu Deutschland und Österreich sind durch den Kalten Krieg in einen Dornröschenschlaf versetzt worden. Hier finden sich so seltene Tiere wie Elch, Luchs, Fischotter, Flussperlmuschel und Dreizehenspecht.

Böhmisch Krummau

Unvermittelt öffnet sich das enge Tal nach ungefähr 50km zu einem Kessel. Goethe würde sagen: Die Lage am Fluss musste eine Stadt anlocken. In früheren Zeiten strategisch günstig gelegen, wurde hier die Stadt Böhmisch Krummau, oder auch Cesky Krumlov auf den Felsrücken einer Moldaudoppelschleife angelegt. Überragt vom Schwarzenberg’schen Schloss wurde die Kleinstadt aufgrund des intakten mittelalterlichen Kerns und der spektakulären Lage in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Vor einiger Zeit berichtete ich HIER bereits über die Stadt und ihre Eigenheiten. Obwohl keine Saison ist, sind vor allem deutsche, österreichische und japanische Touristen in der Stadt unterwegs. Dennoch findet man auch noch manch stillen Winkel. Empfehlenswert ist die Bierverkostung in der Brauerei Eggenberg (Vorsicht: 0,0 Promille Grenze in Tschechien!) und das Cafe „Zwei lustige Witwen“ rechts von der Kirche unterhalb des Schlossturmes direkt am Moldauufer. Der Ausflug nach Krummau ist eine sehr schöne Autotour, zurück in die Vergangenheit und in die Idylle des Moldautals. Alternativ kann man vom Bahnhof Nove Udoli bei Haidmühle auch den Zug nehmen. Dabei verlässt man aber nahe Horni Plana das Tal des Moldaustausees und fährt auf direktem Weg nach Krummau. Die Moldau selbst fließt in einem weiten schluchtartig eingetieften Bogen zunächst nach Südwesten und danach nach Nordwesten in Richtung der Stadt.

Verschiedene Aufnahmen von Stadt und Schloss in Krummau








Ruhr 2010: Zeche Zollverein

28 Mai

Allenthalben sollte ja mittlerweile bekannt sein, dass dem Ruhrgebiet 2010 als Kulturhauptstadt eine besondere Aufmerksamkeit zukommt. Man könnte nun natürlich darüber streiten wie ein Gebiet mit mehreren Stadtzentren eine Kulturhauptstadt sein kann, aber das würde den Rahmen dieses Beitrages eindeutig sprengen. Deshalb soll festgehalten werden, dass sich das Ruhrgebiet als altindustrialisierte Gegend einen gemeinsamen Aufschwung geteilt hat und infolge dessen, einen abschwingenden Strukturwandel bis heute teilt. Die Zeche Zollverein ist Weltkulturerbe und somit sicher einer der Hauptanziehungspunkte von Ruhr 2010. Dementsprechend wurde die Infrastruktur aufgerüstet ,um die – auch an einem normalen Wochentag – durchaus zahlreichen Besucher aufzunehmen. Dass das Ruhrgebiet eine Gegend im Umbruch ist, wird an der Grünanlagen rund um die Zeche Zollverein deutlich sichtbar – denn die sind keineswegs fertiggestellt, so dass man doch ein wenig darüber verwundert ist, aktive Bauarbeiten an den Außenanalgen auf dem Gelände vorzufinden.

Aber eigentlich soll es hier ja um Fotos gehen – Fotos von den Schachta Zeche Zollverein, der Kokerei, SANAA Gebäude etc. Durchaus mal sehenswert das Ganze – gibt es doch eine ganze Anzahl an Ausstellungen und mehr oder weniger attraktiven Attraktionen, so dass durchaus ein Tagesausflug nach Essen eingeplant werden kann. Erwähnenswert auf einem Blog, der auch Photographie behandelt, ist  die momentane  Ausstellung „Ruhrblicke“ im SANAA Gebäude. Sie zeigt wie sich das Ruhrgebiet gewandelt hat und die Sicht zeitgenössischer Fotografen auf das Ruhrgebiet heute. Unter den 11 ausstellenden Künstlern sind klingende Namen: Hilla Becher, Laurenz Berges, Joachim Brohm, Hans-Peter Feldmann, Andreas Gursky, Jitka Hanzlová, Candida Höfer, Matthias Koch, Elisabeth Neudörfl, Jörg Sasse und Thomas Struth. Die fotografischen Arbeiten können noch bis 24. Oktober 2010 besichtigt werden. Der Besuch kostet Studenten 2€ und ist zu empfehlen, auch wenn subjektiv die Qualität der Arbeiten sehr unterschiedlich ist. Aber nicht zuletzt die Großformate von Andreas Gursky lohnen das Aufsuchen des in minimalistisch moderner Betonarchitektur erbauten Ausstellungshauses.

Nun aber zu den Eindrücken des gestrigen Tages in Essen: Ich hab bei der Bearbeitung ein wenig experimentiert und verschiedene Workflows ausprobiert. Mit einigen der Ergebnisse bin ich zufrieden. Try & error ist immer noch einer der kreativsten Wege sich an die Bildbearbeitung heranzuwagen und im Gegensatz zum Nachklicken von Tutorials versteht man dabei auch, was mit dem Bild im Laufe der Bearbeitung passiert. Daher durchaus empfehlenswert, auch wenn es der schwierigere Weg is. Frisch und fröhlich aus der EBV geschüttelt:

Eingangskomplex mit Ruhrmuseum, Aussichtsplattform und überlanger Rolltreppe und dem Geländemodell im Vordergrund

Miniatur und Realität

Linienkultur

Die Zitadelle

Rolltreppe Detail – Zollverein

Zollverein Förderturm I

Zollverein Förderturm II

Blühende Landschaften?

Abstellgleis

Kleinere Förderanlage

SANAA Gebäude (vintage look)

SANAA Eckdetail

Durchbrüche &  Widersprüche

Kokerei Essen

Strukturen

Obligatorisch: Spiegelung

Kokerei Silos

Riesenrad Kokerei Essen

Krummau – Český Krumlov

2 Jul

Kleinod an der Moldau

Wenn von einer historischen Stadtschönheit in Tschechien gesprochen wird, ist meist die Rede von Prag, der Goldenen Stadt. Aber neben Prag bietet Tschechien noch viele weitere sehenswerte kleine und mittlere Städte. Marienbad und Budweis gehören für den deutschen Urlauber sicher mit dazu. Doch eine kleinere Stadt hat es ob ihrer Schönheit und ihrer reizvollen Lage bis zum Weltkulturerbe der UNESCO geschafft: Böhmisch Krummau, zu tschechisch Český Krumlov. Die Stadt hat knapp 14.000 Einwohner und liegt in Südböhmen an einer Moldaudoppelschleife.

Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war der überwiegende Teil der Bevölkerung von Krummau deutschstämmig. Nach der Vertreibung gehörte Krummau zur CSSR. Bereits 1963 wurde der historische Stadtkern unter Denkmalschutz gestellt, so dass das malerische mittelalterlich-barocke Ensemble erhalten blieb. Die Stadt wird überragt vom Schloss der Fürsten zu Schwarzenberg, dass wie eine Miniaturausgabe des Hradschin wirkt. Auch einige schön renovierte Kirche überragen die normalen Bürgerhäuser, die mit ihren bunt verzierten, teilweise in der Sgraffitto Technik verzierten Fassaden, enge Gässchen säumen. Der Status des Weltkulturerbes macht sich ein wenig negativ bemerkbar. Japanische Reisegruppen, „Billig“-Restaurants und Souvenierläden haben die meisten Individualgeschäfte verdrängt. Um dem Ansturm der Massen zu entgehen, empfiehlt sich eine Reisezeit außerhalb der Saison. Dann kann man die einsame Ruhe für sich genießen und nicht zuletzt wenn ein wenig Nebel oder Nieselregen über der Stadt hängen, wird man vom morbiden mittelalterlichen Charme vereinnahmt.

Für die Anreise von Deutschland aus empfiehlt sich der Zug vom Grenzübergang Haidmühle/Nove Udoli. Über Tusset, Cerny Kriz geht es dann nach Oberplan zum Moldaustausee, von dort fürht die Fahrt dann schließlich nach Krumma. Nicht verpassen darf man dabei, in den kleinen Bahnhofs“spelunken“ das leckere tschechische Bier zu probieren. Platan, Gambrinus oder eben das hervorragende Eggenberg in Krummau selbst (vll. sogar mit Brauereibesichitigung). Auch die Fahrt durch die Moorlandschaft entlang der Moldau lohnt sich, da diese Gegend durch ihre ehemalige Randlage am Eisernen Vorhang von größeren menschlichen Eingriffen bislang verschont wird. Sogar eine kleine Elchpopulation gibt es am Moldaustausee.

Alles in allem ist Krummau ein lohnendes Ziel für einen Tagesausflug, das man auch mit Budweis oder dem Moldaustausee kombinieren kann. Die nun folgenden Bilder geben einen kleinen Eindruck von der Atmosphäre in der Stadt.

Acrylick - Bonita

Český Krumlov

Schlossturm

Schlossturm

Kirche über der Moldau

Kirche über der Moldau

Kopfsteingasse

Kopfsteingasse

Moldauschleife

Moldauschleife

Zu den Natur- und Landschaftsbildern geht es HIER.

%d Bloggern gefällt das: