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Fotografie: Winter in den Nationalparks Šumava & Bayerischer Wald

14 Feb

Von der Ästhetik des toten Waldes

Die Hochlagen des Böhmerwaldes – immer für ein paar Winterimpressionen gut. Sozusagen eines meiner Lieblingsmotive im Winter (liegt vermutlich auch an der guten Erreichbarkeit). Inzwischen ist der Hochwald überhalb von 1200m weitgehend durch Borkenkäferbefall und Windwurf weitgehend abgestorben. Prinzipiell sehen abgestorbene Nadelbäume nicht unbedingt einladend aus, aber im Winter werden sie durch Schnee und Eis zu abstrakten Stelen und Totempfählen. Aber es bleibt zu hoffen, dass die natürliche Sukzession sich langfristig mit einem artenreichen Bergmischwald zurückmeldet. Der breite Bergrücken am Dreiländereck Tschechien-Deutschland-Österreich erreicht an seinen Gipfelfelsen wie Hochstein, Dreisessel und Plöckenstein Höhen von 1330 bis 1378m. Aufgrund des relativ kontinentalen Klimas findet man fast nordeuropäische Lebensbedinungen vor. Mit Skandinavien verbindet man Wälder, Seen, Großwild und wilde Flüsse. In der Südostecke Deutschland liegt grenzüberschreitend zu Tschechien und Österreich also eine Region, die mit ebendiesen landschaftlichen Eigenheiten aufwarten kann. Die endlosen Waldwogen der Nationalparks Sumava und Bayerischer Wald, die eiszeitlichen Reliktseen an den steilen Nordostflanken hoher Berge, das von Birken durchsetzte wilde Tal der jungen Moldau und nicht zuletzt die Anwesenheit von Elch, Rothirsch, Auerhan, Birkhuhn, Dreizehenspecht, Uhu, Wolf, Fischotter und Luchs vereint verschiedene Landschafts- und Faunenelemente, die auch in Skandinavien zu finden sind. Auf deutscher Seite spricht man auch vom „bayerischen Sibirien“. Zuletzt konnte man auf bildraum von den Extremtemperaturen (-39,4°C) knapp über der Grenze auf tschechischer Seite lesen. Von diesem kleinen Wochenendtrip hier also einige weitere Impressionen kombiniert mit Aufnahmen von Ende Dezember 2011 und einigen weiteren Fotos aus dieser Region. Bei den neuesten Bildern war das Wetter nicht optimal – am Horizont ein Dunstschleier, aber keine spannenden Wolken und die Eiskristalle an den Bäumen waren durch die Sonneneinstrahlung auch teilweise schon verschwunden.

Februar 2012

Dreisessel - Böhmerwald / Sumava
N 48°46`52`` und O 13°48`12``
1330-1378m ü. NN
02.02.2012
Lufttemperatur <-20°C
Schneehöhe 180cm
Sonnenuntergang und Sonnenaufgang
Canon 5D MKII + 24mm TSE II

Dezember 2011

Am 28. Dezember 2011 zeigte sich bei relativ geringen Schneemengen durch eine Invesions-Wetterlage ein beeindruckendes Bild: Alle südbayerischen Bereiche unter ca. 1050 Höhenmeter waren von einem dichten, beeindruckend schnell wabernden Nebelmeer bedeckt. So ergab sich ein guter Fernblick von den Hochlagen des Bayerischen Waldes über 200km weiße Wolkenlandschaft bis zu den Gipfeln der Alpen. Dachstein, Großglockner und Watzmann setzten die Akzente am Horizont. Im Nachhinein kam mir der Gedanke, dass diese Wetterlage sehr gut für Fotografien von der Milchstraße sein müsste, da Lichtverschmutzung verursacht von den tiefer liegenden Orte vermutlich zum großen Teil durch die Nebeldecke herausgefiltert worden wäre.

Dreisessel - Böhmerwald / Sumava
N 48°46`52`` und O 13°48`12``
1330-1378m ü. NN
28.12.2011
Lufttemperatur -7°C
Schneehöhe 60cm
Sonnenuntergang 
Canon 5D MKII + 70-200mm 4.0

März 2011

Ende März 2011 waren die Hochlagen immer noch von einer dicken Schneeschicht bedeckt, während der Restdeutschland bereits Frühlingstemperaturen bis 20°C erlebte.

Dreisessel - Böhmerwald / Sumava
N 48°46`52`` und O 13°48`12``
1330-1378m ü. NN
20.3.2011
Lufttemperatur -8,5°C
Schneehöhe 50cm, 10cm Neuschnee
6:15-8:00 Uhr morgens
Canon 5D MKII + 24mm TSE II

 

Januar 2008

Immerhin vier Jahre sind inzwischen folgende Aufnahmen alt. Sicher auch eine unvergessliche Morgenstimmung: Nebel in der Gipfelregion samt durchbrechender Sonne. Wenn man teilweise ähnliche Aussichten mit den aktuelleren Bildern vergleicht, wird ersichtlich, dass in den letzten vier Jahren die Schäden durch den Borkenkäfer extrem waren. Der Fichtenhochlagenwald konnte in seiner Monostruktur dem Schädling kaum etwas entgegensetzen. Viele der hier noch nadelbedeckten Bäume sind in den oberen Aufnahmen bereits vollständig kahl oder auch schon aufgrund von Stürmen umgestürzt. So sind die Bilder neben winterlichen Impressionen gleichzeitig auch noch eine Dokumentation des Borkenkäferbefalls in der südöstlichen Ecke Deutschlands.

Dreisessel - Böhmerwald / Sumava
N 48°46`52`` und O 13°48`12``
1330-1378m ü. NN
Januar 2008
Lufttemperatur -10°C
Schneehöhe 120cm
8:00 Uhr morgens
Canon 400D + 17-50mm Tamron

 




Fotografie: Eisiger Frühlingsanfang

25 Mrz

Ein eisiger Morgen auf dem Dreisessel

Dreisessel - Böhmerwald / Sumava
N 48°46`52`` und O 13°48`12``
1330-1368m ü. NN
20.3.2011
Lufttemperatur -8,5°C
Schneehöhe 50cm, 10cm Neuschnee
6:15-8:00 Uhr morgens
Canon 5D MKII + 24mm TSE II

 

Panorama des südlichen Böhmerwalds

Während in Bonn die Temperatur schon an der 20°C Grenze kratzen, sind die Höhenzüge des Böhmerwaldes noch fest im grimmigen Griff des Winters. Am 20.3.2011 waren in den Ostbayerischen Mittelgebirgen überhalb 700m noch Schneereste, überhalb von 900m eine geschlossene Schneedecke zu finden. Ab einer Höhe von 1100m schien das Thermometer schon längere Zeit nicht mehr über die 0°C gestiegen zu sein, da sich noch Schnee auf den Ästen der Bäume befand. Während also in den Niederungen rund um die Höhenzüge langsam der Frühling Einzug hält, bot das Dreisessel noch sehr gut Gelegenheit für ein paar spätwinterliche Fotografien. Der breite Bergrücken erreicht an seinen Gipfelfelsen wie Hochstein, Dreisesselfels, Plöckenstein und andere Höhen von 1330 bis 1368m. Der Dreisessel wird auch Dreiländerberg genannt, da auf einem Sattel des Massiv Deutschland, Tschechien und Österreich zusammentreffen. Der Nationalpark Sumava reicht auf der tschechischen Seite bis zur Grenze, auf deutscher Seite befindet sich ein 270 Hektar großes Waldschutzgebiet. Doch durch Borkenkäferbefall und Kyrill haben die Bergfichtenwälder stark gelitten. Wie Knochen ragen die bleichen abgestorbenen Bäumstämme in den Himmel und tragen zu einer von Schnee bedeckten surrealistischen Landschaft im Morgenlicht bei.

 

#1,7 Waldwoge reiht sich an Waldwoge
#2,4,6,8,10,13 Nashornfelsen
#3,12 Borkenkäfer geschädigter Bergwald
#5 Frühling in Österreichischen Talungen
#9,11 Dreisessel Gipfel und Schutzhaus

 













Verwunschene Plätze: Der Doost

23 Jul

Blockmeer

Raus in die Natur

Jetzt wo der Hochschulbetrieb vorerst wieder brach liegt, ist wieder mehr Zeit auch für außerurbane Aktivitäten. Vor langer Zeit erschien hier ein Beitrag zur Wolfslohklamm im Lerautal bei Leuchtenberg / Oberpfalz / Bayern in der diese als „Lieblingsplatz“ bezeichnet wurde. Nun soll ein weiteres Kleinod der Natur in der touristisch nicht überrepräsentierten Oberpfalz  hier vorgestellt werden: Der „Doost“. Dieses Blockmeer befindet sich in einem 10ha großen Naturschutzgebiet unweit von Diepoldsreuth (Gemeinde Floß). Bereits 1937 wurde das Geotop unter Naturschutz gestellt. Entstanden ist das Felsenwirrwarr durch eiszeitliche Prozesse und spätere Erosion, so dass die 50cm – 5m großen Blöcke vom leise unter den Steinen dahinglucksenden Bach „Girnitz“ freigelegt wurden. Die archaischen Ortsbezeichnungen lassen erahnen, dass der Ort von Sagen und Legenden umwoben ist. Der Name „Doost, Dost, Tost“ soll laut dem Sprachforscher Andreas von Schmeller vom tosenden Rauschen des Baches kommen.

Doost, Blockmeer, Wollsack, Granit

Felsen, Wasser, Bach

Entstehungsgeschichte:

„Als in geologisch jüngerer Zeit (vermutlich im Tertiär) eine oberflächennahe tiefgründige Verwitterung einsetzte, bildeten die Entlastungs-Klüfte [im Granit] besonders gute Angriffsflächen für die Erosion. Die rundliche Form der Blöcke kam dabei also nicht durch Abrollen (wie bei Geröll oder Kieselsteinen) zustande sondern durch geometrisch bedingte Gesetztmäßigkeiten. Ähnlich, wie bei einem Eiswürfel eher die Ecken und Kanten wegschmelzen verwitterten die Granitblöcke zur rundlichen Formen [=Wollsackverwitterung]. Auch die Eiszeiten haben zu dieser Fels-Formation beigetragen. Im Fichtelgebirge hat man nämlich festgestellt daß bereits 5 Grad Hangneigung in Zusammenhang mit tiefgründig gefrorenem Boden, der nur oberflächlich wenige Wochen im Jahr auftaut, zur Verfrachtung großer Blöcke hangabwärts führen kann. Dieser (kleinräumige) Transport hat zu der Konzentration der Blöcke im flachen Talgrund geführt. Die Girnitz [=der Bachlauf] hat lediglich in noch jüngerer Zeit den Verwitterungs-Sand weggeführt, den „letzten Schliff“ gegeben und die Blöcke so malerisch freipräpariert.“ (Freunde der Mineralogie und Geologie Weiden)

So ist dieses Naturschutzgebiet mit seinen Schönheiten sicher einen Ausflug wert. Vor zwei Jahren hab ich dort schon mal Fotos gemacht, aber sie erfüllen heute nicht mehr so recht meine Ansprüche. Daher soll dieser Beitrag gleichzeitig Motivation sein das Felsenmeer Doost mal wieder mit der Kamera aufzusuchen.

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