Tag Archives: schön

Fotografie: Mitteleuropäische Grünnormalitäten

20 Feb

Alltags-Landschaften

„Als Baum wird im allgemeinen Sprachgebrauch eine holzige Pflanze verstanden, die aus einer Wurzel, einem daraus emporsteigenden, hochgewachsenen Stamm und einer belaubten Krone besteht.“

 

einzelner Baum Solitär Herbst nebel Reif

Forst Wirtschaftswald Nebel

Nebelstimmung november Nebel Hochsitz

Wald Herbst Nebel Morgennebel

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Musik von Andy Stott, Lindström, Hauschka & Michael Mayer

26 Nov

Warme elektronische Klänge für den Vorwinter

Wenn man Seiten wie Resident Advisor oder Pitchfork als Gradmesser für das Musikjahr 2012 nehmen will, so fällt auf, dass die Zahl der Alben die mit den jeweiligen Seiten-Awards ausgezeichnet werden in diesem Jahr eher gering ist. Zu einem guten Teil gehören die Redaktions-Favoriten dann auch noch in Genres zwischen RnB und HipHop. Nach einer elektronischen Offenbarung im Stile von Rustie, Kuedo etc. wie letztes Jahr sucht man meiner Meinung nach in diesem Jahr vergebens. Klar es gab spannende Techno Alben (Sigha, Luke Hess, Redshape etc.) aber die eignen sich eher im geringen Maß als Soundtrack für einen Abend auf dem Sofa. Gleiches gilt nach meiner subjektiven Meinung für die meisten Veröffentlichungen mit dem Präfix „UK-“ (House, Funky…).

Daher heute ein paar Empfehlungen für entspanntes Hören:

Hauschka – Radar (Michael Mayer Remix)

Die Remix-Versionen der dem Club „Salon des Amateurs“ in der Düsseldorfer Kunsthalle gewidmeten EP sind überzeugend. Der Remix von Kompakt-Chef Michael Mayer ist mit eines der feinsten Musikstücke in diesem Quartal. An der Schnittstelle zwischen klassischer Klaviermusik und elektronischen Klängen überzeugen aber auch die anderen Remixe auf Hauschkas Salon des Amateurs – Remixe.

Michael Mayer ist ein gutes Stichwort. 2012 erschien nach dem Debüt „Touch“ im Jahr 2004 das zweite Album „Mantasy“ (neben einer großen Zahl an Remixen und Maxis in den letzten Jahren) des Kölner Label Chefs. Die Zeiten, als Köln der Nabel der Minimal-Bewegung war und Kompakt fast wöchentlich Veröffentlichungen launchte sind zwar vorbei, aber mit „Mantasy“ beweist Mayer, dass er noch immer elektronische Musik am Puls der Zeit produzieren kann. Ein Lieblingstrack:

Michael Mayer – Good Times feat. Jeppe Kjellberg

Ein Album das auch Spaß macht ist auch Lindstroms „Smalhans“. Lindstrom vereint sommerliche Skandinavien-Disco-Klänge mit analogen Synthie-Melodien und kommt dabei ganz ohne Vocals aus. Die Titel sind von Gerichten aus der norwegischen Küche inspiriert. Ist unleserlich und hört sich puristisch an. Mein Favorit:

Lindstrom – Vos-Sako-Rv

In eine völlig andere Stimmungsrichtung geht dagegen das Album „Luxury Problems“ von Andy Stott. Stott verfeinert seine schleppenden tiefen Techno Beats mit burialesken Vocal-Fetzen. Dieses Album bewegt sich ein wenig weg von dem Purismus der letzten Veröffentlichungen und wird von mehr Leben erfüllt. Das kommt dem Klangbild sehr entgegen, wenn man sich erstmal in die Tiefen des Albums hineingehört hat, offenbart sich musikalische Anderswelt. Man möge eintauchen in eines der eindruckvollsten elektronischen Alben dieses Jahres. Der Pulsschlag des nachfolgenden Tracks beginnt bei 2:20.

Andy Stott – Numb

 

Fotografie: Silva I

4 Sep

Wald im Nebel | Nebel im Wald

Südtiroler Bergwald. Aufgenommen vom Balkon des Wellnesshotels Lüsner Hof.

 

 

 

 

 

 

Bonner Lieblingsort: Der Rodderberg

24 Apr

Die Toskana vor den Toren Bonns

Wenn das Siebengebirge das Bonner Gebirge ist, dann ist der Rodderberg eindeutig die Toskana Bonns. Eigentlich unterscheidet das Gebiet des Rodderbergs auf den ersten Blick gar nicht so viel vom Siebengebirge. Beides sind Vulkangebiete, getrennt durch den Rhein, diesseits zwischen Bonn-Mehlem und Bahnhof Rolandseck der Rodderberg, jenseits hinter Königswinter und Bad Honnef das Siebengebirge. Die vulkanische Aktivität am Rodderberg spielte sich vor 800.000 bis 250.000 Jahren ab. Noch heute ist der ca. 50m tiefe und 800m breite Sprengtrichter am 193m hohen Rodderberg beeindruckend. Die höchste vulkanische Aktivität im Siebengebirge fand dagegen vor 25 Millionen Jahren statt. Das Rodderberggebiet ist also deutlich jüngeren Datums.

Der Krater aus der Luft (LIAG Hannover)

Der eben genannte Sprengtrichter ist auch das Herzstück des Naturschutzgebietes Rodderberg. Um ihn herum führt ein schöner Rundweg, der die interessantesten Teilräume des Naturschutzgebietes erschließt. Magerrasenstandorte, lichter Kiefernwald und schön geformte Einzelbäume und Säulenpappeln verströmen mediterrane Atmosphäre. An einem sonnigen Tag wirklich ein bisschen wie in der Toskana. Von der aussichtsreichen „Windkuppe“ reicht der Blick weit in die rheinische Bucht, im dicht besiedelten Raum zwischen Bonn und Köln durchbrechen zahlreiche Landmarken die Horizontlinie: Godesburg, Posttower, Bonner Münster, Fernsehturm Köln und Kölner Dom um nur einige zu nennen. Aber auch der Blicke ins Drachenfelser Ländchen, in Richtung Eifel und auf das Siebengebirge sind imposant. Öfter sieht man hier auch den Schwalbenschwanz – sicher einer der schönsten und größten einheimischen Schmetterlinge. In der Mulde des Kraters liegt der Broichhof, früher ein Wasserschloss, dann eine Baumschule und jetzt ein Pferdehof. Die sich in der Weite der Senke verlierenden Reiter tragen zur idyllischen Wirkung des Gebietes bei. Zum Broichhof führt ein von einer schönen Kastanienallee gesäumter Stichweg – insbesondere an Sommertagen bringen die dort erhältlichen Getränke eine willkommene Abkühlung. Auf der weiteren Runde eröffnen sich immer wieder abwechslungsreiche Blicke. Sowohl das in die Ferne schweifen als auch der Blick für die Naturwelt am Wegesrand werden belohnt: Am Himmel kreisen die Falken aus dem Siebengebirge und an einem Schlehengebüsch spießt der Neuntöter auf seine merkwürdige Art der Vorratshaltung kleine Insekten an Dornen auf. Seltene Blumen wie Küchenschelle, Kartäusernelke oder Purpur-Sommerwurz lockern die Trockenrasenstandorte auf. Ein weiterer Höhepunkt ist die Aussicht vom „Heinrichsblick“ (ehemalige Gerichtsstätte) auf das Siebengebirge. Bei Sonnenaufgang erscheint die Silhouette der Waldberge tatsächliche ein wenig wie ein Gebirge im Gegenlicht, zu dessen Füßen das silberne Band des Rheins glitzert. Aber auch tagsüber und in der Abendsonne ist der Blick eindrucksvoll.

Übersicht des Naturschutzgebietes (via)

Eine genaue Wegbeschreibung des Rundweges um den Krater findet sich in dieser PDF. Bei der Anreise per Zug empfiehlt sich meiner Meinung nach der Aufstieg vom Bahnhof Rolandseck aus. Pfade durch schöne Mischwaldbestände führen hoch zum Rodderberg, der einen dann wegen seiner weiten Grünflächen mit einem völlig anderen Landschaftsbild überrascht.

So ist der Rodderberg einer der schönsten Naturräume im näheren Umkreis um Bonn. Vor allem ist dieses Naturschutzgebiet weniger überlaufen als das Siebengebirge (und sonniger). Die folgenden Impressionen sollen dazu einladen, das Grau der Stadt zu verlassen und die Toskana vor der Toren Bonns zu besuchen.

 

Impressionen

 

Säulenpappeln in der Mitte der Kratermulde

 
Mohnblüte auf einer Wiese am Rand von Mehlem

 
Schöne Kastanienallee zum Gut Broichhof

 
Schmetterling in der Abendsonne

 
Blick auf blühende Kirschbäume zwischen Mehlem und Pech

 
Die Koppeln bei Gut Broichhof mit Siebengebirge

 
Ein Unwetter zieht auf - Blick auf Bonn und Köln

 
Schachbrettfalter an Blüte

 
Einsamer Baum vor Regenfront

 
Siebengebirge bei Sonnenaufgang

 
Obstbäume am Kraterrand

 
Lichtspot auf der Drachenburg während eines Gewitters

 
Küchenschelle im Frühling

 
Sonnenaufgang

Musik: Julia Holter & Julianna Barwick

13 Jan

Anspruchsvolle Übersinnlichkeit

Tiefe. Tiefe vermisst man heute oft im Musikgeschäft. Plastiksounds mit der Halbwertszeit eines Fastfood Gerichts dominieren mit ihrer kurzfristigen Hörbefriedigung das Tagesgeschäft. Grund genug, mal ein wenig nach Musik zu suchen die an der Grenze hin zur Kunst wandelt. Die beiden hier vorzustellenden Damen konnten dieses Jahr mit ihren Alben überzeugen. Musik zum Herantasten statt zum Mitnehmen.

Julia Holter – Tragedy

Tragedy heißt das oft übersehene Debüt von Julia Holter, das im Herbst erschien. Ein echtes Konzeptalbum, orientiert an einem Werk des griechischen Dramatikers Euripides (klar, was sonst…). Doch keine inhaltliche Schwere. Ambientleichtigkeit, Verträumtheit, Dronesounds und Alltagssamples werden als ein vielschichtiges Kunstwerk um Julia Holters Stimme gewoben. Nähe und Ferne kokettieren mit objektiven und subjektiven Tonerfahrungen. Klingt komisch aber funktioniert. „Tragedy“ ein Album wie aus einer anderen Welt aber dennoch sehr vertraut. Für das Frühjahr 2012 ist bereits das Nachfolgewerk angekündigt: „Ekstasis„. Ein erster Bote dieses Albums ist der Track „Marienbad„. Stilistisch scheint das Stück greifbarer zu sein als „Tragedy“ aber noch immer spürt man die experimentielle Neigung von Julia Holter. Man darf also gespannt sein auf „Ekstasis“ – vielleicht mit ein erster Höhepunkt 2012.



Julianna Barwick – The Magic Place

Ebenso speziell ist „The Magic Place„, das Zweitwerk von Julianna Barwick. 2007 erschien ihr Erstlingswerk „Sanguine„. Damals war sie vielleicht mit Panda Bear die erste im Independent Sektor, die intensiven Gebrauch von Vocal-Loopings machte. 4 Jahre später ist nun ihr zweites Album erschienen. „The Magic Place“ – ein sprechender Albumtitel. Denn jene Welten, die Julianna Barwick mit ihrer Stimme konstruiert, auftürmt, erschafft und mit Leben erfüllt sind wirklich von einer sakralen Magie. Klangkathedralen erfüllt mit Gesangsschleifen, zerbrechlicher Percussion, Piano und Bass. Ein Kontraprodukt zu unserer Zeit.

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