Tag Archives: Schloss

Fotografie: Alpen im Sommer

29 Aug

Impressionen aus dem Alpenraum. Entstanden sind die Bilder überwiegend während der Hitzephase im Juni.

Alpen abgestorbener Baum Naturdenkmal

 

 

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Alpen Natur Idylle  Geheimtipp

 

 

Alpen Kirche Kapelle Heiligtum

 

 

Alpen Berge Sonnenuntergang Regen

 

 

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Fotografie: Verwunschene Orte an der Westküste Portugals

25 Okt

Vom Zauber alter Königspaläste und des Atlanitks

Von Lissabon war an dieser Stelle in den letzten Wochen ja schon öfter die Rede – doch auch das Umland der portugiesischen Hauptstadt weißt einige sehenswerte Orte auf, die einen Abstecher lohnen – insbesondere wenn es in der Innenstadt zu heiß wird ruft die Küste und das Bergland.

Quinta de Regaleira in Sintra

Von Lissabon war an dieser Stelle in den letzten Wochen ja schon öfter die Rede – doch auch das Umland der portugiesischen Hauptstadt weißt einige sehenswerte Orte auf. Ein Ziel vieler Tagestouristen ist die Königsstadt Sinta. Diese kleine Stadt im nördlich von Lissabon gelegenen Bergland strotzt geradezu vor Parks und Palästen. Ehedem war sie der Sommersitz der portugiesischen Könige Gleich sieben richtig große Anlagen findet man dort – dabei ist die Quinta de Regaleira sicher mit die am mystischten angehauchte. Ein reicher Geschäftsmann verwirklichte sich am Ende des 19. Jahrhunderts seinen Traum von Schloss und von einem besonderen Park. Die Grotten und Quellen des Gartens sind an mythologische Inhalte angelehent und verbinden sich mit dem üppigen Grün der Bergwälder zu einem geheimnisvollen Reich der Sagen und Legenden. Der Film „Pans Labyrinth“ lässt grüßen. Am beeindruckendsten ist sicher die „Initiation Well“ – ein unterirdischer Turm. 27m tief führt hier eine große Wendeltreppe ins innere der Erde. Verschiedene künstliche Höhlen und Grotten münden in die Stufenspirale ein. Durch das Eindringen in das Erdinnere und das Zurücktreten an das Tageslicht werden die Seelenbilder archaischer Fruchtbarkeitsrituale aufgegriffen. Natürlich ist das ganze auch ein dankbares Fotomotiv.



Botanischer Garten Belem

Im Stadtgebiet von Lissabon selbst findet man den „Jardim Tropical“ im Stadtteil Belem; so ziemlich genau hinter dem populären Hieronymus Kloster gelegen. Während sich vorne im heiligen Gemäuer die Touristenströme ergießen, ist es im botanischen Garten angenehm ruhig. Die Atmosphäre der mit vor allem tropischen Pflanzen bestückten Parkanlage ist geradezu zauberhaft. Der morbide Charme der städtischen Bauten macht auch nicht vor dem Garten halt – so finden sich schön verzierte Gewächshäuser, an denen der Zahn der Zeit nagt, ein ehemaliger Adelssitz und viele weitere Gebäude und Themengärten in der Anlage. Die Vegetation wird dennoch relativ gut gepflegt, so dass es wirklich schön ist zwischen Palmen, Wasserflächen und mit gewaltigen Wurzeln versehenen Urwaldbäumen zu wandeln. Wie man sieht, ist der Garten auch eine sehr gute Kulisse für Portraits:

Adraga Beach

Das klassiche Baderevier Portugals ist ja die Algavre an der Südküste. Doch auch im Umland von Lissabon finden sich sehr schöne Strände. Die meterhohen Brecher des Atlantiks machen das Baden zwar zu einer nicht ungefährlichen Angelegenheit – aber zum Surfen und am Strand liegen sind die Gegebenheiten sehr gut. Neben den typischen feinsandigen Stränden möchte ich besonders zwei Badebuchten erwähnen. Zum einen den „Praia de Adraga“ – einen der schönsten Strände die ich bisher gesehen habe. Nicht umsonst wurde dieser Strand vom Guardian Magazin zu einem der 20 schönsten Strände Europas gekürt. Feinster Sand wird umschlossen von hohen dunklen Felsmassiven welche wiederum von Grotten durchbrochen sind. Vor der Küstenlinie ragen aus dem Wasser markante Felsnadeln, an denen sich die Wellen in wild schäumender Gischt brechen. Zusätzlich ist der Strand nicht so überlaufen wie die näher zur Hauptstadt gelegenen. Die beste Gelegenheit dem monotonen Heranrollen der Wellen zu lauschen. Oder zu Fotografieren – drei verschiedene Shootings konnt ich in den 4h in denen ich vor Ort war beobachten. Natürlich machte ich auch ein paar Bilder… Ein weiterer empfehlenswerte Strand ist der „Praia de Ursa“ – der Strand des Bärens. Selbst war ich nicht vor Ort, weil dieser nicht direkt anfahrbar ist und eine relativ Steile Wanderung in der Nähe vom Copa Roca – dem westlichsten Punkt Europas – nötig ist um den Strand zu erreichen. Doch die zyklopenhaft aufgetürmten Felstürme auf den Fotos die ich gesehen hab, versprechen eine noch beeindruckendere fotografische Kulisse als beim Praia de Adraga (wo wiederum der Strand schöner ist). Der eben genannte westlichste Punkt Europas wirkt durch sein weißes Leuchtturmhaus wirklich wie der Abschluss jeglicher Landmasse. Auch die Orte an der Küste zeigen sich pittoresk. Besonders Azhenas do Mar liegt eindrucksvoll an der atlantischen Steilküste. Vom dortigen Miradouro lassen sich auch die Angler beobachten, die von überhängenden Felsnasen Dutzende Meter in die Tiefe angeln. Die Menschen sind wie überall in Portugal nett – man isst abends frischen Fisch (Steinbarschfilet!) und in der empfehlenswerten (wenn man den Charme eines einfach Landhotels mag in dem seit Jahrzehnten die Zeit stehengeblieben ist) Pension Real in Praia de Macas schläft man in edelen alten Möbeln mit direktem Blick auf den Atlantik. Portugal und Lissabon – ein empfehlenswertes Reiseziel.


Fotografie: Bonn im Quadrat

12 Jul

Stadt – Leben – Menschen

Wieso eigentlich Bonn? Von außen betrachtet scheint Bonn ein wenig undefiniert zu sein. Ehemaliges Bundeshauptdorf und Vorort von Köln. 300000 Einwohner von denen man bei zwei Dritteln nicht weiß wo sie wohnen sollen. Bonn ist nicht sexy. Aber Bonn ist konstant. Bonn bleibt. Man selbst wird älter, aber Bonn wird nicht älter, wird nicht jünger, Bonn bleibt Bonn. Irgendwo zwischen Museen-, Kultur- und Universitätsstadt. Kreativ ist Bonn nicht… eher konventionell.. selbst die Unternehmen wirken konventionell: Die Post, die Telekom, Haribo, Orgeln von Klais und Weck Einmachgläser. Bonn überrascht nicht. Aber die Stadt ist lebenswert. Am Rhein, am Alten Zoll, die Poppelsdorfer Allee, die schönen Viertel wie Südstadt, Musikerviertel oder Altstadt, die Gründerzeitbauten, die Kunstmuseen, der Hofgarten und die Poppschloss-Wiese. Bonn ist ein bisschen wie Bayern. Vertraut, nicht direkt hart am Puls der Zeit aber gut aufgestellt für die Zukunft. Wo die Kinder mit Porsche Cayenne und Q7 in den Kindergarten gefahren werden muss die Welt doch noch in Ordnung sein? Zumindest für einige und für den Rest bleibt ein Bier am Busbahnhof und bisschen Heroin. Mittendrin statt nur dabei und auch schon wieder urban.

Bonn unterscheidet sich vom Ruhrpott dadurch, dass es nie eine große Industriestadt war. Bonn war und ist preußisches Beamtentum und das Tor zur Rheinromantik. Von den meisten Punkten Bonns aus sieht man das Siebengebirge: Drachenfels, Ölberg, Löwenburg und Petersberg. Allein diese Bergsilhouette führt dazu, dass ich es (tagsüber) nie bereute hier studieren. Wer weiß was Berlin an kreativen Möglichkeiten geboten hätte – aber eines sicher nicht… das Gefühl nah an der bergigen Natur zu sein und immerhin 400 Höhenmeter auf kurze Distanz überwinden zu können. Wer einmal vom Rodderberg aus den Sonnenaufgang über dem Siebengebirge erlebt hat, weiß was ich meine. Keine finsteren Nadelwaldhänge sondern freundliche Laubwälder die dazu einladen, dem städtischen Treiben auf kurzem Wege zu entfliehen.

Scheint also schon ganz in Ordnung zu sein diese gemütliche Stadt am Rhein. Selbst wenn es mich hinausziehen sollte in die Metropolen und Einsamkeiten dieser Welt würd ich mich wohl bei einer Rückkehr sofort wieder wie zu Hause fühlen, denn wie ich bereits geschrieben habe – Bonnn bleibt Bonn.

Aus diesem Anlass und weil sich die Diplomprüfungen dem Ende zuneigen, hier ein paar Impressionen aus Bonn. Lieblingsorte und nette Menschen. Streetphotography und Stilleben aus 2009-2010. Quadratisch, praktisch, gut.

Fotografie: Entlang der Moldau zum Weltkulturerbe

29 Mrz

Cesky Krumlov & Moldaustausee

Ein paar weitere Fotografien von den Tagen in der Südostecke Deutschlands letzte Woche. Die Bilder sind in einem retro anmutenden Stil gehalten – zum einen weil die Reise nach Westböhmen für mich auch immer eine Reise in die Vergangenheit ist, zum anderen, weil die blassen etwas ausgebleichten Farben durchaus der tschechischen Landschafts- und Gebäudegenese nahe kommen. Vorneweg aber zunächst zwei Impressionen aus Passau vom Zusammenfluss von Inn und Donau. Eigentlich werden diese beiden Bilder der spektakulären Lage der Stadt am Zusammenfluss der beiden bereits genannten Flüsse und der Ilz gerecht. Aber dennoch sollen sie hier ihren Platz finden, da die alte Nibelungenstadt Passau ehedem das Tor zum Böhmerwald war und die sagenhaften Handelsroute „Der goldene Steig“ hier ihren Ausgang nahm, um die Höhenzüge zu überwinden um den Salztransport nach Tschechien sicherzustellen. Denn reiche Städte befanden sich hinter dem Waldgebirge: Prachatitz, Budweis und nicht zuletzt Krummau. Von einer modernen Erkundungstour ins malerische Krummau soll nachfolgend die Rede sein.

Historisches Passau von der Innbrücke aus


 

Entlang der Moldau

Im äußersten Osten Bayerns beginnt dieser kleine Roadtrip mit vielfältigsten Eindrücken. Ziel ist das Tal der Moldau und Cesky Krumlov, zu deutsch Krummau, eine stolze mittelalterliche Kleinstadt, die sich aufgrund ihres intakten historischen Kerns den Titel „UNESCO Weltkulturerbe“ verdient hat. Auf 1000m Seehöhe beginnt die Fahrt in den Hochlagen des Bayerisch-Böhmischen Waldes. Selbst Ende März ist die Landschaft noch unter einer geschlossenen Schneedecke versteckt. Von hier macht man sich auf ins Moldautal mit seinen alten Siedlungen, welche den Glanz der goldenen Stadt Prag vorwegnehmen. Klöster, Schlösser und kleine Städtchen locken entlang des lieblichen Flusslaufs. Doch bevor man in die Geschichte eintaucht verabschiedet sich die Gegenwart nicht ohne einen kleinen Schock: Aufgrund der Grenzlage tummeln sich im ersten Ort hinter der Grenze, Strazny, ein Haufen Geschäftemacher. Es lohnt sich nicht hier zu verweilen. Denn hat man die Prostituierten und Fidschi-Märkte an der Grenze bei Philipsreut erstmal hinter sich gelassen, taucht man ein in eine Landschaft fernab unserer Hektomatikwelt.  Es ist so, als wäre man ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurückgereist. Die Dörfer wirken verschlafen. Hier geht man seinem Tagesgeschäft nach: Der Einkauf wird noch mit charakteristischen blümchenverzierten Plastebeuteln und geflochtenen Körben nach Hause getragen. Am späten Abend trifft man sich in den Dörfern auf ein Gambrinus oder ein Kozel in einer der kleinen Schankstuben. Hier und da irrt ein Hund oder ein Huhn umher und der Putz fällt von den Wänden. Die Zeit gibt so ein Stück Vergangenheit preis: Alte deutsche Beschriftungen wie „Wolfsmühle“ werden wieder lesbar. Denn der Landstrich entlang der Moldau war bis zur Vertreibung nach dem Zweiten Welktrieg hauptsächlich deutsches Siedlungsgebiet. Der Weg führt weiter zum Moldaustausee. Mit 48km Länge und 10km Breite ist er der größte Stausee  Tschechiens. Er wird auch als „Böhmerwald Meer“ bezeichnet. In Horni Plana / Oberplan ist der Ortskern und das Geburtshaus des Schriftstellers Adalbert Stifter ansprechend renoviert worden. Aber dennoch merkt man – trotz der geringen Entfernung zur Grenze – dass man im Ausland unterwegs ist. Das West-Ost Gefälle macht sich direkt an der Grenze besonders stark bemerkbar. 20 Jahre nach der Wende schwebt immer noch der Geist der Kommunismus und des Kalten Krieges über diesen Landstrich. Selbst neuere Beschilderungen sind anscheinend mit Schriftarten gesetzt, welche von der Ära des Warschauer Paktes inspiriert sind. Allein das – vor allem von holländischen Touristen besuchte – neue Tourismuszentrum  bei Lipno strotzt nur so vor moderner Bebauung. Der Stausee von Lipno selbst ist zu dieser Jahreszeit noch von einer Eisschicht überzogen, am Horizont ragen die schneebedeckten Gipfel des Hochwaldes auf. Bis knapp an die 1400m Marke reicht die höchste Erhöbung Plöckenstein.

Panorama des Moldaustausees von Horni Plana aus


Altes Tretboot nahe der Schilfkante

Doch je weiter man dem Tal der Moldau folgt, desto milder wird es. Beim Kloster Weißenbrot und an Schloss und Burg Rosenberg sind die Schneereste verschwunden und die stolzen Gemäuer erheben sich hoch über dem Fluss. Stets folgt die Straße den mal weiteren, mal engeren Schlingen der noch jungen Moldau. Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb von Kanutouristen. Gelegentlich künden alte Industrieanlagen von der Nutzung der Wasserkraft, doch auf weiten Strecken wirkt die Natur unberührt. Besonders die Waldgebiete entlang der Grenze zu Deutschland und Österreich sind durch den Kalten Krieg in einen Dornröschenschlaf versetzt worden. Hier finden sich so seltene Tiere wie Elch, Luchs, Fischotter, Flussperlmuschel und Dreizehenspecht.

Böhmisch Krummau

Unvermittelt öffnet sich das enge Tal nach ungefähr 50km zu einem Kessel. Goethe würde sagen: Die Lage am Fluss musste eine Stadt anlocken. In früheren Zeiten strategisch günstig gelegen, wurde hier die Stadt Böhmisch Krummau, oder auch Cesky Krumlov auf den Felsrücken einer Moldaudoppelschleife angelegt. Überragt vom Schwarzenberg’schen Schloss wurde die Kleinstadt aufgrund des intakten mittelalterlichen Kerns und der spektakulären Lage in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Vor einiger Zeit berichtete ich HIER bereits über die Stadt und ihre Eigenheiten. Obwohl keine Saison ist, sind vor allem deutsche, österreichische und japanische Touristen in der Stadt unterwegs. Dennoch findet man auch noch manch stillen Winkel. Empfehlenswert ist die Bierverkostung in der Brauerei Eggenberg (Vorsicht: 0,0 Promille Grenze in Tschechien!) und das Cafe „Zwei lustige Witwen“ rechts von der Kirche unterhalb des Schlossturmes direkt am Moldauufer. Der Ausflug nach Krummau ist eine sehr schöne Autotour, zurück in die Vergangenheit und in die Idylle des Moldautals. Alternativ kann man vom Bahnhof Nove Udoli bei Haidmühle auch den Zug nehmen. Dabei verlässt man aber nahe Horni Plana das Tal des Moldaustausees und fährt auf direktem Weg nach Krummau. Die Moldau selbst fließt in einem weiten schluchtartig eingetieften Bogen zunächst nach Südwesten und danach nach Nordwesten in Richtung der Stadt.

Verschiedene Aufnahmen von Stadt und Schloss in Krummau








Fotografie: Bonner Architektur – Schönes & Hässliches?

19 Feb

Von der Subjektivität der Geschmäcker

Hier möchten auch wir wohnen!„. Oft findet man im Musikerviertel und in der Bonner Südstadt an Laternen und Straßenschildern Flugblätter von Bonner Neubürgern die in diese begehrten Viertel ziehen wollen. Gründerzeitarchitektur, hohe Räume, Erker und französische Balkone. Das klingt alles verlockend. Zum stilechten Wohnen kommen Kronleuchter, historisierende Möbel und dekorative Jugendstilelemente hinzu.  Es wird gesagt, dass die Südstadt und angrenzende Bezirke das größte erhaltene gründerzeitliche Wohnviertel in Deutschland ist. Aber ist die Südstadt wirklich „schön“? Oder gar architektonisch wertvoll? Wenn man den Stilmix der Verzierungen betrachtet, welche die Gebäude dieser Zeit  bedeckt, dann wird einem ganz schwindelig ob vielen Einflüsse. Antike, Barock und Gotik werden bunt durcheinander geworfen.  Der Bürger am Ende des 19. Jahrhunderts scheint ein architektonischer Allesfresser zu sein und lebt diese Vorliebe an seinen Fassaden aus. Ist der Stilmix des Historismus jener Zeit also ein Vorläufer zu dem, was unser Alltagsleben heute ausmacht? Unsere Generation sind die der kulturellen Allesfresser, welche von der Populärkultur bis hin zur Hochkultur alles mitnimmt.

Eine gewagte These. Aber wieso auch nicht? Denn wenn man sich einmal die zeitlichen Umstände der Entstehung der Gründerzeitarchitektur anschaut, möchte man meinen, dass die Menschen damals auch in einer Seifenblase der unbegrenzten Möglichkeiten taumelten. Der „Aufstieg“ des Deutschen Kaiserreichs ging einher mit der Emanzipation des Bürgertums. Und diesen Stolz wollte man zeigen und griff daher zurück auf glorreiche Elemente der Geschichte und klebte sie mit Gips an die eigene Fassade. Nach dem Motto: Nicht kleckern, sondern klotzen.Der Zuckerbäckerstil macht diese Häuser zu Konservendosen der Architekturgeschichte.

Nun stellt sich die Frage, warum dieser Stil heute wieder als attraktiv gilt. Pickelhauben trägt ja auch (fast) keiner mehr. Vielleicht weil wir uns eben in diesem Schmelztiegel der Verzierungen heute selbst wieder finden. Früher war es die Hauswand, die als Stilsammelsurium endete, heute ist der Mensch selbst die plakative Fläche, auf welche unterschiedlichste Trends, Hypes und Moden einprasseln. Und so wie man damals einen neuen Stiltrend per Stuck einfach zusätzlich ans Haus setzte, so gibt uns die Konsumwelt heute die Gelegenheit uns unsere Topaktualtiät  am eigenen Körper zu erkaufen. Markenkleidung, Smartphones und der neueste Haarschnitt sind Pflicht. Wobei die Crux dabei ist, dass diese „Topaktualität“ oft heißt in vergangenen Epochen zu wildern und Vergangenes wieder aufzuwärmen. Das Schaffen von Eigenständigkeit in einem neuen ästhetischen Stil, die progressive Entwicklung die Altes ab- und auflöst, wird damit unterbunden. Alles wird konserviert. Wir füllen unser Leben aus den Konservendosen der 80er, 70er und anderer Jahrzehnte und wohnen gleichzeitig in den Konservendosen der Architekturgeschichte und essen Bio. Was? Irgendwo ein Widerspruch. Gestern ist also Heute modern und Morgen ist ein anderes Gestern. Das Leben ist eine Hipstomatic-App!

Jedoch gab es bereits nach beiden Weltkriegen Phasen, in denen der Historismus und seine Bausubstanz nicht besonders gewertschätzt wurde. Vielleicht kommt ja der Antitrend mit der Kehrtwende zum harten Beton der Brutalismus. Der Rückgriff auf ältere Stile wurde damals als zu geringe architektonische Eigenständigkeit gewertet. Die Bauhaus Architektur war die gefühlt richtige Antwort auf die bürgerlich-spießigen Gründerzeitviertel. Doch zu diesem Zeitpunkt war es auch schon um das generelle Durchsetzen eines Stils geschehen. Man baute alles wie und wo man wollte. Vor allem schnell und günstig. Neue Materialien wie Beton oder Glas sorgten für Innovationen in der Architektur.  Die ersten Betonbunker der Nachkriegszeit sind heute noch als hässlich verschrien, aber morgen vielleicht schon das neue Trendwohnen. Eine gesamtheitliche Stilrichtung die sich auf breiter Basis durchsetzt bleibt im Rahmen der diversifizierten Gesellschaft vermutlich bis auf weiteres eine Utopie.

Daher wandert der Blick auf das, was heute noch aus vergangenen Epochen erhalten ist. Man sagte mir, Bonn sei  wegen seiner unterschiedlichen Baussubstanz ein sehr begehrter Drehort für Fernsehsendungen, da sich für alle Szenen Kulissen finden lassen würden. Die folgenden Bilder können diesen Eindruck vermutlich untermauern. Das fehlende Blattgrün des frühen Jahres gibt manch unerwarteten Blick frei. Noch dominiert die Kahlheit des Winters, nur im botanischen Garten zeigen sich bereits erste Frühlingsboten.

#00 - Opel Kadett
#01 - Poppelsdorfer Schloss
#02 - Uni Hauptgebäude
#03 - Bunes Glas Viktoriabad
#04 - Fassade Südstadt
#05 - Fassade Südstadt
#06 - Frühling im Botanischen Garten
#07 - Am Poppelsdorfer Weiher
#08 - Teppichladen aus den 70ern
#09 - Neubau am Busbahnhof

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