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Architektur: Refugien in der Natur

16 Nov

„Hütten“ modern interpretiert

Gemeinhin könnte man das Gefühl bekommen, dass nur dort wo besonders viele Menschen auf einem Fleck versammelt sind – also in Städten – Architektur passiert. Aber die Realität sieht anders aus. Während Städte als Orte der steten Veränderung relativ aufnahmefähig sind, was wilde Stil- und Materialmixe angeht, so hat das Bauen in der Natur einen besonderen Anspruch. Das Gebäude muss seinen Platz in der gewachsenen Landschaft finden, sich integrieren und mit der Substanz traditionneller Baukultur harmonieren. Während das Land in der Vergangenheit im schlimmsten Falle nur die Sünden der städtischen Bauten und die Klischees des Landhausstils bedient hat – Jodlerbalkone (Zitat von Dieter Wieland) in Westfalen – findet heute vielerorts (Vorarlberg, Norwegen) innovatives Bauen mitten in der Natur statt. Insbesondere kleine Bauten haben für mich einen ungemeinen Reiz – deswegen möchte ich hier ein paar Lösungen anhand von Bildern vorstellen.

Refugium I – Triangle im Wald

Aufgeräumte Geometrien und vor allem das große Fenster in den Birkenwald mit Farnunterwuchs. Funktioniert besonders gut im Herbst und bei Nebel. Das „Allandale House“ steht in Massachusetts und wurde von William O’Brian Jr geplant. Fotos via buzz-beast.com.

 

Refugium II – Holzstapel mit Innenleben

Von Hinten betrachtet wirkt das ganze wie ein normaler Holzstapel. Doch das Innenleben hat es in sich. Ein Photovoltaik betriebene Dusche, eine kleine Kochnische und die warme Atmosphäre eines mit Holz verkleideten Raums ermöglichen einen angenehmen Aufenthalt. Jungenträume 2.0. Da freut sich das Kind im Manne. Lab Zero Architects, Italien. Fotos: Alessandro Gadotti.

 

Refugium III – Heustadel mit neuem Kern

Ein interessantes Konzept wurde auch bei diesem Vorhaben realisitert. Ein alter hölzerner Heustadel im Schweizer Alpenraum wurde entkernt und mit einem neuen Betoninleben zu einem kleinen Ferienhaus umgebaut. Die gewachsene Baustruktur am Berghang bleibt erhalten. Durch die Ritzen der alten Verkleidung fällt das Licht spielerisch in den Innenraum – ein großes Fenster öffnet sich zum beeindruckenden Panorama auf der gegenüberliegenden Talseite. Raffaele Schärer Architects. Fotos: Tonatiuh Ambrosetti

 

Refugium IV – Schönes Funktionalitätswunder

Skandinavien ist bekannt für seine tausende Ferienhäuser. In diesem Falle ist es das nur wenig Kilometer von Helsinki entfernte Wochenendhaus einer Architektenfamilie. Auf kleinstem Raum sind alle wichtigen Funktionen untergebracht – inklusive schöner Detaillösungen wie dem gusseisernen Ofen. Touristisches Bauen muss also nicht immer ungehemmten Landschaftsverbrauch bedeuten – kleinräumige Wohlfühlatmosphäre statt kalter Leerstand. Verstas Architects, Finland. Fotos: Andreas Meichsner.

Quellen: blog.wanken.com & archdaily.com

 

 

 

 

Fotografie: Misty Morning

5 Aug

Verzaubert vom goldenen Streiflicht

Tagesanbruch nahe Benediktbeuern. Nachdem die Temperatur in dieser ungewöhnlich kalten Julinacht auf 3°C sank, vermutete ich für den Morgen in dieser Jahreszeit seltene Nebelbedeckung. Die Vorhersage stimmte und so tauchte ich ein in eine verträumt märchenhafte Welt fern ab städtischer Hektik. Ein archaischer Ruhe- und Meditationspool, ehe ich zurückkehre in den vom Pulsschlag des Zeitgeistes angetriebenen urbanen Trubel. Die Fotos können den Eindruck nur begrenzt wiedergeben, doch wo die Gedankenbilder noch größer sind, sind sie eine ausdauernde Quelle der Inspiration. Bei der Recherche für Locations in Schottland bin ich auf der Seite naturephoto.pl über diese schönen Zeilen gestolpert, die das Gefühl gut beschreiben. Anna Jędra-Wojciechowska und Dariusz Wojciechowski begrüßen auf ihrer Homepage damit ihre Besucher:

Du stehst um 3 Uhr früh auf, wenn die anderen noch ruhig schlafen, mit müden, sandgefüllten Augen versuchst du, deine Fotoausrüstung zu finden. Blitzschnell trinkst du deinen heißen Kaffee, den Rucksack mit 10 kg Fotoausrüstung wirfst du dir über die Schultern und eilst hastig auf die schon früher ausgesuchte Stelle zu – um ihn zu sehen und vielleicht zu fangen: den wunderschönen bunten Nebel, der uns umhüllt, umarmt und zum Leben erweckt, der das Licht und den Sichtpunkt weicher macht…

Begeistert bewunderst du die ersten Sonnenstrahlen, die den in der Dämmerung grauen Gestalten Farbe zurückbringen… In deinem Sucher siehst du Blumen, die durch dein Objektiv eine ganz andere Form und Dimension erhalten… Du atmest die frische Luft des Morgens ein und weißt, dass es nichts Schöneres auf der Welt gibt, als die erste Berührung des Sonnenscheins zu fangen, der in den Tautropfen schimmert, die Flügel der Schmetterlinge trocknet, geschlossene Blütenblätter erwärmt und Blätter von Bäumen erleuchtet…

Und dann kommst du zurück, wenn die anderen noch ruhig schlafen, du ziehst die nasse Kleidung aus, trinkst noch einen Kaffee und denkst erneut: „Es hat sich wieder gelohnt, das zu sehen, was für die anderen etwas Unsichtbares und Unfassbares ist…”.

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