Tag Archives: Geschichte

Humor im Internet: Wie er früher war

19 Apr

Die Wurzeln einer Kultur

Spätestens mit 9gag ist die Humorkultur des Internets aus ihrem Nischendasein aufgetaucht und einer breiten Masse zugänglich geworden. Anfang bis 2010 waren trollfaces & memes noch „underground“ im Worldwideweb. Manch ein Digital Native weint der „guten alten Zeit“ hinterher (in jedem Nerd steckt ’ne Hipster Kitty). In den Niveauniederungen von 4chan, krautchan und pr0gram tummelte sich jene stetig wachsende Gemeinschaft junger internetaffiner Männer die eine eigene Humorkultur erschufen. Sind memes und trollfaces noch die angenehmeren Seiten dieser Entwicklung, so gab es stets auch eine Flut von Bildern, gif-Files, Videos und Screenshots, die politisch alles andere als korrekt waren. Die Hacker von Anonymous und Lulzsec hatten teilweise ihre Wurzeln in dortigen Communities. Heute sind insbesondere trollfaces auf sozialen Netzwerken allgegenwärtig. Auch wenn sie oft aus ihrem historischen Zusammenhang gerissen gepostet werden.

Heute möchte ich aber ein paar Bildquellen zeigen, die den Internethumor vor zehn Jahren illustrieren. (De-)Motivationals waren noch nicht erfunden, Wayne noch jung, WordArt & Comic Sans noch legitim, Katzen noch nicht dominant aber Pandas schon präsent. Mit stetig schnelleren Verbindungen nahm auch die Zahl von Bildern, Fotos, Gifs etc. im Internet exponentiell zu. Wohingegen Mitte der 90er Jahre noch textbasierter Witz dominierte (z.B. Signaturen im usenet) entstand gegen Ende des letzten Jahrtausend zum ersten mal so etwas wie ein internet-spezifischer Humor. Die Beispiele stammen v.a. aus deutschsprachigen Foren und Boards. Ein bisschen angestaubt in Bildqualität und Aktualität – aber vortreffliche Unterhaltung ist nach wie vor garantiert.Viele weiter „Lustige Forenbilder“ gibts seit Menschengedenken hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotografie: Bonner Architektur – Schönes & Hässliches?

19 Feb

Von der Subjektivität der Geschmäcker

Hier möchten auch wir wohnen!„. Oft findet man im Musikerviertel und in der Bonner Südstadt an Laternen und Straßenschildern Flugblätter von Bonner Neubürgern die in diese begehrten Viertel ziehen wollen. Gründerzeitarchitektur, hohe Räume, Erker und französische Balkone. Das klingt alles verlockend. Zum stilechten Wohnen kommen Kronleuchter, historisierende Möbel und dekorative Jugendstilelemente hinzu.  Es wird gesagt, dass die Südstadt und angrenzende Bezirke das größte erhaltene gründerzeitliche Wohnviertel in Deutschland ist. Aber ist die Südstadt wirklich „schön“? Oder gar architektonisch wertvoll? Wenn man den Stilmix der Verzierungen betrachtet, welche die Gebäude dieser Zeit  bedeckt, dann wird einem ganz schwindelig ob vielen Einflüsse. Antike, Barock und Gotik werden bunt durcheinander geworfen.  Der Bürger am Ende des 19. Jahrhunderts scheint ein architektonischer Allesfresser zu sein und lebt diese Vorliebe an seinen Fassaden aus. Ist der Stilmix des Historismus jener Zeit also ein Vorläufer zu dem, was unser Alltagsleben heute ausmacht? Unsere Generation sind die der kulturellen Allesfresser, welche von der Populärkultur bis hin zur Hochkultur alles mitnimmt.

Eine gewagte These. Aber wieso auch nicht? Denn wenn man sich einmal die zeitlichen Umstände der Entstehung der Gründerzeitarchitektur anschaut, möchte man meinen, dass die Menschen damals auch in einer Seifenblase der unbegrenzten Möglichkeiten taumelten. Der „Aufstieg“ des Deutschen Kaiserreichs ging einher mit der Emanzipation des Bürgertums. Und diesen Stolz wollte man zeigen und griff daher zurück auf glorreiche Elemente der Geschichte und klebte sie mit Gips an die eigene Fassade. Nach dem Motto: Nicht kleckern, sondern klotzen.Der Zuckerbäckerstil macht diese Häuser zu Konservendosen der Architekturgeschichte.

Nun stellt sich die Frage, warum dieser Stil heute wieder als attraktiv gilt. Pickelhauben trägt ja auch (fast) keiner mehr. Vielleicht weil wir uns eben in diesem Schmelztiegel der Verzierungen heute selbst wieder finden. Früher war es die Hauswand, die als Stilsammelsurium endete, heute ist der Mensch selbst die plakative Fläche, auf welche unterschiedlichste Trends, Hypes und Moden einprasseln. Und so wie man damals einen neuen Stiltrend per Stuck einfach zusätzlich ans Haus setzte, so gibt uns die Konsumwelt heute die Gelegenheit uns unsere Topaktualtiät  am eigenen Körper zu erkaufen. Markenkleidung, Smartphones und der neueste Haarschnitt sind Pflicht. Wobei die Crux dabei ist, dass diese „Topaktualität“ oft heißt in vergangenen Epochen zu wildern und Vergangenes wieder aufzuwärmen. Das Schaffen von Eigenständigkeit in einem neuen ästhetischen Stil, die progressive Entwicklung die Altes ab- und auflöst, wird damit unterbunden. Alles wird konserviert. Wir füllen unser Leben aus den Konservendosen der 80er, 70er und anderer Jahrzehnte und wohnen gleichzeitig in den Konservendosen der Architekturgeschichte und essen Bio. Was? Irgendwo ein Widerspruch. Gestern ist also Heute modern und Morgen ist ein anderes Gestern. Das Leben ist eine Hipstomatic-App!

Jedoch gab es bereits nach beiden Weltkriegen Phasen, in denen der Historismus und seine Bausubstanz nicht besonders gewertschätzt wurde. Vielleicht kommt ja der Antitrend mit der Kehrtwende zum harten Beton der Brutalismus. Der Rückgriff auf ältere Stile wurde damals als zu geringe architektonische Eigenständigkeit gewertet. Die Bauhaus Architektur war die gefühlt richtige Antwort auf die bürgerlich-spießigen Gründerzeitviertel. Doch zu diesem Zeitpunkt war es auch schon um das generelle Durchsetzen eines Stils geschehen. Man baute alles wie und wo man wollte. Vor allem schnell und günstig. Neue Materialien wie Beton oder Glas sorgten für Innovationen in der Architektur.  Die ersten Betonbunker der Nachkriegszeit sind heute noch als hässlich verschrien, aber morgen vielleicht schon das neue Trendwohnen. Eine gesamtheitliche Stilrichtung die sich auf breiter Basis durchsetzt bleibt im Rahmen der diversifizierten Gesellschaft vermutlich bis auf weiteres eine Utopie.

Daher wandert der Blick auf das, was heute noch aus vergangenen Epochen erhalten ist. Man sagte mir, Bonn sei  wegen seiner unterschiedlichen Baussubstanz ein sehr begehrter Drehort für Fernsehsendungen, da sich für alle Szenen Kulissen finden lassen würden. Die folgenden Bilder können diesen Eindruck vermutlich untermauern. Das fehlende Blattgrün des frühen Jahres gibt manch unerwarteten Blick frei. Noch dominiert die Kahlheit des Winters, nur im botanischen Garten zeigen sich bereits erste Frühlingsboten.

#00 - Opel Kadett
#01 - Poppelsdorfer Schloss
#02 - Uni Hauptgebäude
#03 - Bunes Glas Viktoriabad
#04 - Fassade Südstadt
#05 - Fassade Südstadt
#06 - Frühling im Botanischen Garten
#07 - Am Poppelsdorfer Weiher
#08 - Teppichladen aus den 70ern
#09 - Neubau am Busbahnhof

Chillwave – Das Sommerding 2010

28 Jul

Schmetterling blume makro bonn botanischer gartenFalter, Botanischer Garten Bonn, 90mm Tamron 2,8 Canon 5D MKII

Lass uns Wellenreiten gehn

Die Spatzen pfeifen es in der Blogosphäre von den Dächern. „Chillwave“ hat sich 2010 etabliert. Bitte was? Chillwave… vermutlich hat Musik dieser Art schon fast jeder dieses Jahr gehört. Caribou, Delorean, Neon Indian, Ariel Pink’s Haunted Graffiti, Washed Out, Memorytapes und School of Seven Bells kann man mit diesem Sound in Verbdingung bringen. Auch die hier schon vorgestellten, noch weniger bekannten Gold Panda und Tennis passen wunderbar in diese Kategorie.

Die „Entspannte Welle“, das ist Musik die einem Meeresrauschen vermittelt und stressfreies Urlaubsfeeling. Genau das Richtige also für die  zurückliegenden heißen Wochen. Der „Bratzenelektro“ europäischer Machart befindet sich ein wenig auf dem Rückzug und die aufgeregten Crystal Castles haben Kap Bambino, Sleigh Bells etc. aus dem Untergrund erhoben, so kam die entspannte, von nordamerikanischen Künstlern dominierte, Chillwave genau richtig in diesem Sommer in der Alten Welt an.

Kurzbiographie eines Genres

Das Wort Chillwave an sich wurde 2009 von einem Blogger namens Carles (auf Hipster Runoff) als Überbegriff für einige ähnlich klingende Acts erfunden. Seine Beschreibung des potentiell neuen Gernes liest sich einfach: “Chillwave klingt wie etwas aus dem Hintergrund einer alten VHS Kassette, die sich auf einem Dachboden der späten 80er/90er findet.“ Die Lo-Fi Produktionen klingen nicht so perfekt wie vieles Inszeniertes in der elektronischen Musik der letzten Jahre und passen wunderbar zum digitalen (oh, ein Paradoxon) Vintage und Canvas Look, der einem auch bei der Bildbearbeitung von sich „indpendent“ fühlenden Kreativköpfen entgegenschlägt. Also könnte man hier auch einen Versuch sehen, auf digitalen Medien eine art „analogen“ Sound zu erschaffen, der eine gewisse Abgenütztheit suggestiert um sich vom 1 (existent) und 0 (nonexistent) Status digitaler Medien abzuheben. Denn die Vergänglichkeit des Analogen macht bekanntlich auch den Reiz und Wert aus, daher ist es wohl nicht so verkehrt, in den Chillwave Klängen auch eine Hommage an diese Empfindungen und an die Erfahrungen mit analogen Tonträgern zu sehen. (Die ganzen „Memories“, „Tapes“ und „Cassettes“ in den Namen kommen sicher auch nicht von ungefähr). Der Einsatz von Synthies, Filtern, Loops und Samples gehören zum guten Ton. Gelegentlich werden die Arrangements mit einem eingängigen Rythmus versehen, so dass auch das Zucken im Tanzbein bedient wird. Ältere Genres wie Shoegazer, Ambient und Synthpop trugen entscheidende kreative Anstöße bei.

Also hat die Blogosphäre 2009 einen Begriff für ein Genre kreiiert, das sich in Folge dessen wie eine Welle verselbstständigt hat. Der Winter wurde überstanden und 2010 erscheinen v.a. in den USA viele als Chillwave getaggte EPs. Ebenso werden zunehmend auch andere Künstler (Caribou) oder ältere Einzelstücke mit diesem Genrekonstrukt in Verbindung gebracht. Hierbei sind Panda Bear (Album: Person Pitch, 2007) und die frühen Lo-Fi Arbeiten von Beach House erwähnenswert.

Libelle Botanischer Garten BonnGroßlibelle, Botanischer Garten Bonn, 70-200 4,0L Canon 5D MKII

Auf der Welle mitgeschwommen?

Wer hier ein bisschen aufmerksam mitliest, dem wird aufgefallen sein, dass mich nach meiner Rückkehr aus Norwegen Musik dieses oder ähnlichen Stils sehr schnell in ihren Bann geschlagen hat. Im Juli School of Seven Bells, Gold Panda mit You und Tennis mit Marathon. Im April Cults , deren erstes Album im Herbst erscheinen wird, mit Go Outside und Primary 1 feat. Nina Persson mit The Blues (Album auch im Herbst). Ende Februar flatterten mir die damals noch recht jungfräulichen Melodien der inzwischen etablierten Beach House, Broken Bells und Caribou zu. Meine persönliche Verwurzelung zu diesen Klängen sehe ich in lange zurückliegenden Surf, Dub und Ambient Interessen.

Doch zurück zum Tagesgeschäft. Einige der vorgestellten Bands füllen inzwischen Konzerthallen und für Gold Panda und Tennis scheint es ein großes Potential zu geben. Aber das Genre bietet durchaus noch weitere interessante Künstler, von denen nun einige vorgestellt werden sollen. Besonderer Augenmerk liegt dabei auch auf einer gewissen Tanzbarkeit, keiner zu großen Nähe zu Ibiza Ambient und keiner zu billigen Produktion.

Hörbefehle

Brothertiger – Feel (Vision Tunnels EP, 2010)

Millionyoung – Weak Ends (Sundream EP, 2010)

Washed Out feat. Caroline Polachek – You and I (2010)

Microclinic – Shield (2010)

The Ruby Suns – Cinco (Fight Softly EP, 2010)

Bye Bye Blackbird – So Sorry Girl (Summer Heart LP, 2010)

Kaufempfehlung: Bildband „Things As They Are“

22 Mai

Der BuchHof Bonn – vormals die Restexemplareabteilung von Bouvier – ist immer einen Besuch wert. Gegenüber des Uni Hauptgebäudes gelegen finden sich dort eine Vielzahl von reduzierten Büchern, von denen erfreulicherweise viele aus die Bereiche Kunst, Design, Photographie etc. behandeln. So ist es möglich für wenig Geld herabgesetzte Bildbände zu erwerben. Selten verlässt man den Laden ohne etwas gekauft zu haben. Diese Woche konnte ich ein besonderes Buch erwerben, das ich hier vorstellen will kurz – und für das ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen will.

„Things As They Are“ von Mary Panzer und Chris Caujolle.

Inhalt

Ist das Cover zunächst noch ein wenig irritierend, so offenbart der Blick in das Innere den wahren Wert dieses Buches. Das Buch präsentiert  120 Photosessays von World Press Photo wie sie zwischen 1955 und Heute im originalen Kontext in internationalen Magazinen abgedruckt wurden. Allein diese Aufmachung unterscheidet das Buch von anderen Bildbänden, weil die Bilder so in die zu den betreffenden Zeiten gefragte Typografie, Grafik und Strukturierung eingegliedert sind. Man erhält einen sehr guten Überblick über Geschehnisse welche die letzten Jahrzehnte geprägt haben – aber auch durch sehr spezielle Repotagen optische Eindrücke in Halbwelten. So stehen Vietnamkrieg, Cubakrise, die Mondlandung oder die Tsunamikatastrophe neben Russischer Mafia und Helmut Newtons Sicht auf Berlin. Dabei erfährt man die Bilder nicht in einer Rückblende sondern im damals aktuellen Verständniskontext aus den Ersterscheinungen in Magazinen rund um die Welt. Augenzeugenmaterial. Im Original kostet der Bildband 65 Euro in Bonn kann man ihn für 25 Euro erwerben. Gut investiertes Geld wie man nach einem Blick ins Innere des Buches schnell feststellt.  Zusätzlich zu den Photoessays findet sich ein Vorwort von Mary Panzer, ein Überblick über die World Press Photo Contest Gewinner und ein Nachwort von Chris Caujolle, der auch auf die Zukunft des Photojournalismus eingeht.

Empfehlung

Daher möchte ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Denn das Buch hat mich berührt wie wenige Bildbände vorher. Die Bilder sind oft schockierend, oft faszinierend – aber sie zeigen immer Facetten menschlicher Realität. Manchmal sprachlos machend, manchmal motivierend und inspirierend. Einem jeden der sich für Photographie, Journalismus und Zeitgeschichte interessiert möchte ich es ans Herz legen.

Frühlingssonne

18 Mrz

Frühlingssonne wärmt die Haut während sich die Finger suchend finden. Intime Momente in denen allein die Lippen sagen welche Hoffnung dem Mensch zu Eigen ist. Ein sinnliches Ablesen – dennoch bleibt Unsicherheit bei Wünschen und Gefühlen die weiter gehen als das, was man derzeit zu leben imstande ist. Die Angst sich zu verlieren bevor man sich wirklich kennt, gibt dem Menschen eine leichte Ahnung dessen, was er fühlen würde, wenn dies alles doch nur eine Erinnerung an einen Traum wäre.
Denn jeder Sonnenstrahl an einem Frühlingstag würde unweigerlich die Erinnerung an diesen Traum wieder ins Bewusstsein zurückrufen. Und somit auch die traurige Erkenntnis, dass dies alles nur ein Hirngespinst gewesen ist.

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