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Bonner Lieblingsort: Der Rodderberg

24 Apr

Die Toskana vor den Toren Bonns

Wenn das Siebengebirge das Bonner Gebirge ist, dann ist der Rodderberg eindeutig die Toskana Bonns. Eigentlich unterscheidet das Gebiet des Rodderbergs auf den ersten Blick gar nicht so viel vom Siebengebirge. Beides sind Vulkangebiete, getrennt durch den Rhein, diesseits zwischen Bonn-Mehlem und Bahnhof Rolandseck der Rodderberg, jenseits hinter Königswinter und Bad Honnef das Siebengebirge. Die vulkanische Aktivität am Rodderberg spielte sich vor 800.000 bis 250.000 Jahren ab. Noch heute ist der ca. 50m tiefe und 800m breite Sprengtrichter am 193m hohen Rodderberg beeindruckend. Die höchste vulkanische Aktivität im Siebengebirge fand dagegen vor 25 Millionen Jahren statt. Das Rodderberggebiet ist also deutlich jüngeren Datums.

Der Krater aus der Luft (LIAG Hannover)

Der eben genannte Sprengtrichter ist auch das Herzstück des Naturschutzgebietes Rodderberg. Um ihn herum führt ein schöner Rundweg, der die interessantesten Teilräume des Naturschutzgebietes erschließt. Magerrasenstandorte, lichter Kiefernwald und schön geformte Einzelbäume und Säulenpappeln verströmen mediterrane Atmosphäre. An einem sonnigen Tag wirklich ein bisschen wie in der Toskana. Von der aussichtsreichen „Windkuppe“ reicht der Blick weit in die rheinische Bucht, im dicht besiedelten Raum zwischen Bonn und Köln durchbrechen zahlreiche Landmarken die Horizontlinie: Godesburg, Posttower, Bonner Münster, Fernsehturm Köln und Kölner Dom um nur einige zu nennen. Aber auch der Blicke ins Drachenfelser Ländchen, in Richtung Eifel und auf das Siebengebirge sind imposant. Öfter sieht man hier auch den Schwalbenschwanz – sicher einer der schönsten und größten einheimischen Schmetterlinge. In der Mulde des Kraters liegt der Broichhof, früher ein Wasserschloss, dann eine Baumschule und jetzt ein Pferdehof. Die sich in der Weite der Senke verlierenden Reiter tragen zur idyllischen Wirkung des Gebietes bei. Zum Broichhof führt ein von einer schönen Kastanienallee gesäumter Stichweg – insbesondere an Sommertagen bringen die dort erhältlichen Getränke eine willkommene Abkühlung. Auf der weiteren Runde eröffnen sich immer wieder abwechslungsreiche Blicke. Sowohl das in die Ferne schweifen als auch der Blick für die Naturwelt am Wegesrand werden belohnt: Am Himmel kreisen die Falken aus dem Siebengebirge und an einem Schlehengebüsch spießt der Neuntöter auf seine merkwürdige Art der Vorratshaltung kleine Insekten an Dornen auf. Seltene Blumen wie Küchenschelle, Kartäusernelke oder Purpur-Sommerwurz lockern die Trockenrasenstandorte auf. Ein weiterer Höhepunkt ist die Aussicht vom „Heinrichsblick“ (ehemalige Gerichtsstätte) auf das Siebengebirge. Bei Sonnenaufgang erscheint die Silhouette der Waldberge tatsächliche ein wenig wie ein Gebirge im Gegenlicht, zu dessen Füßen das silberne Band des Rheins glitzert. Aber auch tagsüber und in der Abendsonne ist der Blick eindrucksvoll.

Übersicht des Naturschutzgebietes (via)

Eine genaue Wegbeschreibung des Rundweges um den Krater findet sich in dieser PDF. Bei der Anreise per Zug empfiehlt sich meiner Meinung nach der Aufstieg vom Bahnhof Rolandseck aus. Pfade durch schöne Mischwaldbestände führen hoch zum Rodderberg, der einen dann wegen seiner weiten Grünflächen mit einem völlig anderen Landschaftsbild überrascht.

So ist der Rodderberg einer der schönsten Naturräume im näheren Umkreis um Bonn. Vor allem ist dieses Naturschutzgebiet weniger überlaufen als das Siebengebirge (und sonniger). Die folgenden Impressionen sollen dazu einladen, das Grau der Stadt zu verlassen und die Toskana vor der Toren Bonns zu besuchen.

 

Impressionen

 

Säulenpappeln in der Mitte der Kratermulde

 
Mohnblüte auf einer Wiese am Rand von Mehlem

 
Schöne Kastanienallee zum Gut Broichhof

 
Schmetterling in der Abendsonne

 
Blick auf blühende Kirschbäume zwischen Mehlem und Pech

 
Die Koppeln bei Gut Broichhof mit Siebengebirge

 
Ein Unwetter zieht auf - Blick auf Bonn und Köln

 
Schachbrettfalter an Blüte

 
Einsamer Baum vor Regenfront

 
Siebengebirge bei Sonnenaufgang

 
Obstbäume am Kraterrand

 
Lichtspot auf der Drachenburg während eines Gewitters

 
Küchenschelle im Frühling

 
Sonnenaufgang

Das Siebengebirge bei Sonnenaufgang

24 Jun

Gefühlt liegt Bonn für mich ja schon sehr weit im Norden Deutschlands. Sozusagen schon unmittelbar am Strand. Alles nördlich von Bonn ist psychologisch wahrgenommen flach. Aber hier, am südlichen Ende des Rhein-Ruhr Agglomerationsraumes, beginnt tatsächlich schon die Wildnis Natur. Wer an der Bonner Rheinpromenade den Blick flussaufwärts gleiten lässt, erblickt mit „Posttower“ und den „Langer Eugen“ zwei Hochhäuser, welche wie gigantische steinerne Wächter am Südrand des Stadtgebiets aufragen. Dort wird das Rheintal enger und die Felsen,  hier in der Gegend oft Ley genannt, treten bis an die Ufer des Stroms heran. Die letzte Barriere, die der Rhein auf seinem Weg nach Bonn umspült ist der Drachenfels, die sagenumwobene äußerste Felsbastion des Siebengebirges.

Bis zu 460m ragen die „Berge“ dort auf. Absolut gesehen nicht viel, aber wenn man bedenkt, dass der Rhein dort auf einem Niveau von 58m ü.NN fließt sind 400 Höhenmeter doch schon ein netter Anstieg. Nach dem Morgen am Alten Zoll schien es konsequent, sich das Siebengebirge als Motiv von der gegenüberliegenden Rheinseitevorzunehmen. Der Rodderberg, ebenfalls eine Vulkanruine wie die Basaltschlöte des Siebengebirges, schien hierfür der geeignete Punkt zu sein. Vom Motiv her sind die Ergebnisse in Ordnung, dagegen ist das Rauschverhalten der Eos400D schon ein wenig limitierend, weil dadurch der  Bearbeitungsspielraum eingegrenzt wird. Nette Begleiterscheinungen dieser bis in die frühen Vormittagsstunden schlaflosen Nacht war die Begegnung mit zwei Hasen auf wenigen Metern Entfernung in einem Klatschmohnfeld. Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt gerade das Tamron 90mm Makro als Objektiv im manuellen Modus montiert, so dass ich dem doppelten flüchtenden Meister Lampe nicht mit dem Focus hinterherkam.

Alles in allem ein schöner einsamer Morgen am Rodderberg, der mit seinen Ausblicken und seiner Trockenvegetation dazu einlädt, die urbane Dichte Bonns für ein paar Stunden zu verlassen.

Fotografische Eindrücke

Siebengebirgs-Panoramen

Der eigentliche Grund meines Aufenthalts war aber der Versuch ein Sonnenaufgangspanorama des Siebengebirges aufzunehmen. Mit den Ergebnissen bin ich halbwegs zufrieden. Die Farben der entfernteren Bildelemente könnten klarer sein, andererseits hat der Dunst dazu geführt, dass der Himmel zu brennen scheint. (Wenn jemand eine Idee hat, wie man die Panos noch weiter bearbeiten könnte freu ich mich über einen Kommentar)

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