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Fotografie: Verwunschene Orte an der Westküste Portugals

25 Okt

Vom Zauber alter Königspaläste und des Atlanitks

Von Lissabon war an dieser Stelle in den letzten Wochen ja schon öfter die Rede – doch auch das Umland der portugiesischen Hauptstadt weißt einige sehenswerte Orte auf, die einen Abstecher lohnen – insbesondere wenn es in der Innenstadt zu heiß wird ruft die Küste und das Bergland.

Quinta de Regaleira in Sintra

Von Lissabon war an dieser Stelle in den letzten Wochen ja schon öfter die Rede – doch auch das Umland der portugiesischen Hauptstadt weißt einige sehenswerte Orte auf. Ein Ziel vieler Tagestouristen ist die Königsstadt Sinta. Diese kleine Stadt im nördlich von Lissabon gelegenen Bergland strotzt geradezu vor Parks und Palästen. Ehedem war sie der Sommersitz der portugiesischen Könige Gleich sieben richtig große Anlagen findet man dort – dabei ist die Quinta de Regaleira sicher mit die am mystischten angehauchte. Ein reicher Geschäftsmann verwirklichte sich am Ende des 19. Jahrhunderts seinen Traum von Schloss und von einem besonderen Park. Die Grotten und Quellen des Gartens sind an mythologische Inhalte angelehent und verbinden sich mit dem üppigen Grün der Bergwälder zu einem geheimnisvollen Reich der Sagen und Legenden. Der Film „Pans Labyrinth“ lässt grüßen. Am beeindruckendsten ist sicher die „Initiation Well“ – ein unterirdischer Turm. 27m tief führt hier eine große Wendeltreppe ins innere der Erde. Verschiedene künstliche Höhlen und Grotten münden in die Stufenspirale ein. Durch das Eindringen in das Erdinnere und das Zurücktreten an das Tageslicht werden die Seelenbilder archaischer Fruchtbarkeitsrituale aufgegriffen. Natürlich ist das ganze auch ein dankbares Fotomotiv.



Botanischer Garten Belem

Im Stadtgebiet von Lissabon selbst findet man den „Jardim Tropical“ im Stadtteil Belem; so ziemlich genau hinter dem populären Hieronymus Kloster gelegen. Während sich vorne im heiligen Gemäuer die Touristenströme ergießen, ist es im botanischen Garten angenehm ruhig. Die Atmosphäre der mit vor allem tropischen Pflanzen bestückten Parkanlage ist geradezu zauberhaft. Der morbide Charme der städtischen Bauten macht auch nicht vor dem Garten halt – so finden sich schön verzierte Gewächshäuser, an denen der Zahn der Zeit nagt, ein ehemaliger Adelssitz und viele weitere Gebäude und Themengärten in der Anlage. Die Vegetation wird dennoch relativ gut gepflegt, so dass es wirklich schön ist zwischen Palmen, Wasserflächen und mit gewaltigen Wurzeln versehenen Urwaldbäumen zu wandeln. Wie man sieht, ist der Garten auch eine sehr gute Kulisse für Portraits:

Adraga Beach

Das klassiche Baderevier Portugals ist ja die Algavre an der Südküste. Doch auch im Umland von Lissabon finden sich sehr schöne Strände. Die meterhohen Brecher des Atlantiks machen das Baden zwar zu einer nicht ungefährlichen Angelegenheit – aber zum Surfen und am Strand liegen sind die Gegebenheiten sehr gut. Neben den typischen feinsandigen Stränden möchte ich besonders zwei Badebuchten erwähnen. Zum einen den „Praia de Adraga“ – einen der schönsten Strände die ich bisher gesehen habe. Nicht umsonst wurde dieser Strand vom Guardian Magazin zu einem der 20 schönsten Strände Europas gekürt. Feinster Sand wird umschlossen von hohen dunklen Felsmassiven welche wiederum von Grotten durchbrochen sind. Vor der Küstenlinie ragen aus dem Wasser markante Felsnadeln, an denen sich die Wellen in wild schäumender Gischt brechen. Zusätzlich ist der Strand nicht so überlaufen wie die näher zur Hauptstadt gelegenen. Die beste Gelegenheit dem monotonen Heranrollen der Wellen zu lauschen. Oder zu Fotografieren – drei verschiedene Shootings konnt ich in den 4h in denen ich vor Ort war beobachten. Natürlich machte ich auch ein paar Bilder… Ein weiterer empfehlenswerte Strand ist der „Praia de Ursa“ – der Strand des Bärens. Selbst war ich nicht vor Ort, weil dieser nicht direkt anfahrbar ist und eine relativ Steile Wanderung in der Nähe vom Copa Roca – dem westlichsten Punkt Europas – nötig ist um den Strand zu erreichen. Doch die zyklopenhaft aufgetürmten Felstürme auf den Fotos die ich gesehen hab, versprechen eine noch beeindruckendere fotografische Kulisse als beim Praia de Adraga (wo wiederum der Strand schöner ist). Der eben genannte westlichste Punkt Europas wirkt durch sein weißes Leuchtturmhaus wirklich wie der Abschluss jeglicher Landmasse. Auch die Orte an der Küste zeigen sich pittoresk. Besonders Azhenas do Mar liegt eindrucksvoll an der atlantischen Steilküste. Vom dortigen Miradouro lassen sich auch die Angler beobachten, die von überhängenden Felsnasen Dutzende Meter in die Tiefe angeln. Die Menschen sind wie überall in Portugal nett – man isst abends frischen Fisch (Steinbarschfilet!) und in der empfehlenswerten (wenn man den Charme eines einfach Landhotels mag in dem seit Jahrzehnten die Zeit stehengeblieben ist) Pension Real in Praia de Macas schläft man in edelen alten Möbeln mit direktem Blick auf den Atlantik. Portugal und Lissabon – ein empfehlenswertes Reiseziel.


Das Mysterium des Bonner Studentenbrunnens

24 Dez

Tännesberg – Bonn – Mayen

Studentenbrunnen in Bonn (1913)

Zwischen Café Blau, Blow Up und Universität liegt ein wenig versteckt der Bonner „Studentenbrunnen“. Jeder der mit mir in dieser Ecke Bonns unterwegs ist, wird früher oder später von mir auf diesen Brunnen hingewiesen. Denn der Brunnen ist eine direkte historische Verbindung zwischen meinem Heimatort Tännesberg und Bonn. Und so verlangt die Vergangenheit bei jedem Vorübergehen nach einer Anekdote: Dieser Brunnen wurde von einem Bildhauer geschaffen, der wie ich in Tännesberg geboren wurde, aber im Rheinland künstlerisch wirkte. Der Studentenbrunnen in Bonn wurde 1913 errichtet und lädt besonders im Hochsommer durch die schattige Ruhe des Seitenhofes zu einer Atempause im pulsierenden Stadtleben ein. Der Brunnen befindet sich hier:

Auf den Spuren von Carl Burger

Der Name des Bildhauers und Kunstprofessors ist Carl Burger. Sein Hauptwerkstoff waren die Basalte und Tuffe der Eifel. Er gilt als einer der Erneuerer der Skulptur in Deutschland und am Ende seines Wirkens zeigte er eindeutige expressionistische Tendenzen. Carl Burger wurde 1875 in Tännesberg in der bayerischen Oberpfalz geboren und starb 195o in Mayen. Durch Mayen wird die bedeutungsschwangere oberpfälzisch-rheinische Kunstbeziehung noch weiter intensiviert: Denn Mayen ist ein Herkunfts-Epizentrum einiger Bonner Gewährsleute.

Carl Burger begann seine Ausbildung 1889 an der Schnitzschule in Partenkirchen. Danach studierte er von 1891-1893 an der Königlichen Kunstgewerbeschule München. Anschließend arbeitete er als dekorativer Bildhauer unter Prof. Felix Pfeifer. 1904 kam er als Lehrer für Plastik an die Kunstgewerbeschule Aachen. Ab 1921 war Prof. Burger in Mayen tätig. Er gründete die Mayener Steinmetz-Fachschule und war deren erster Direktor. Er arbeitete mit bodenständiger Basaltlava. Andere Wirkungsstätten waren  Aachen, Koblenz, Bitburg, Malmedy, Eupen, Rheinbrohl, Brühl und Köln. (Quelle: wikipedia)

Jesus wird ans Kreuz genagelt (1925)
Relief von Carl Burger
Expressionismus auf dem Lande
Sehr schlechter Zustand
Verschwendung?

 

Aber auch nach Tännesberg kam der Sohn der Ortes zurück. Carl Burger gestaltete die Reliefs des Kreuzweges zum fast 700m hohen Schlossberg (weitere Informationen). In Mayen wird das Andenken an den Kunstprofessor im Namen der Berufsbildenden Carl Burger Schule erhalten (weitere Informationen). Tännesberg, Bonn, Mayen – überall finden sich Spuren von Carl Burger. Und ich werde nicht müde sein, diese Anekdote  jedem zu erzählen, der mit mir in die Nähe des Studentenbrunnens gelangt.

Carl Burger Forum in Mayen (Denkmal, 2003 eingeweiht)
Schängelbrunnen in Koblenz (1940)
Kreuzweg in Malmedy (1913)


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