Haldern 2010: Mit Wendy auf dem Reiterhof

16 Aug

Auf zum Reiterhof

Von Donnerstag bis in die frühen Morgenstunden des Sonntages fand in Haldern die 26. Ausgabe des Haldern Pop Festivals statt. Das Festival ist mit ca. 6000 Besuchern eher kleiner im Vergleich zu den kommerziellen Platzhirschen wie RAR etc. Dafür wird es aber  auch ohne die Unterstützung eines optisch omnipräsenten Hauptsponsors vom Organisationsteam und der Bevölkerung des gleichnamigen Dorfes seit 1984 in Eigenregie durchgeführt. Das Festivalgelände befindet sich inmitten von Koppeln und Weiden auf dem Grund eines örtlichen Reiterhofes, der den Besuchern netterweise auch zu Zutritt zu einem privaten Badesee gewährt. Doch zurück zur Musik. Die Gesamtreviews überlasse ich lieber jenen die musikalisch fast ausschließlich in der dort präsentierten Musiksphäre verankert sind und nicht Gefahr laufen das ganze mit Dubstepbässen oder Drum’n’Bass in Verbindung zu bringen. Also nenn ich das Lineupkonzept einfach Indiepopfolkrock und der Drops ist gelutscht. An dieser Stelle ist zu vermerken dass eben Dan Deacon dabei eine willkommene Abwechslung war – mit diffusen Vorinfos von YT und Datt|Blatt versorgt, war ich auf alles gefasst und wurde vom Auftritt positiv bestätigt. Nicht zuletzt wurde durch dieses Elektrogewitter der monolegendäre Drum’n’Bass Floor den es auf Haldern nie gegeben hat beinahe Realität.

Überhaupt war die kleinere Spielstätte, das Spiegelzelt, der Ort meiner Priorität. Trotz gelegentlichem Anstehen und tropischen Innentemperaturen war so einiges erlebenswert: Post War Years, everything everything, Seabear, Beach House, The Low Anthem, Villagers (im Vorbeigehen), Bear in Heaven (live ist „lovesick“ noch viel besser als auf dem Album) und Sleepy Sun. Schade das bei Ben Frost der Strom kurz ausfiel, denn so konnte man nur eine kleine Ahnung seines wunderbar versponnenen aktuellen Albums erhalten.

Insgesamt wusste Haldern zu gefallen. Das Runderhum mit Natur, Zelten, Sonnenschein und Festivalleben gefiel sehr gut – mein Dank gelten dem Mitbewohner der Nougathöhle, dem Fahrer, der Zeltplatzcrew und all den anderen Bonnern und Kölnern.

Und dann kam Wendy

Mein persönliches Highlight aber war Wendy McNeill, die am Freitag das Spiegelzelt eröffnet. Schon mit dem ersten Lied hab ich mich (auf einer musikalischen Ebene) in die gute Frau verliebt. Kontrabass, Akkordeon und Ziehharmonika – meine Erwartungen an den Live Auftritt waren ob dieses Repertoires an eher exotischen Instrumenten groß. Und sie wurden vollstens erfüllt. Musik die sich ins Herz spielt und den Zuhörer zutiefst berührt. Die Sängerin kokettierte in großer Natürlichkeit mit dem Publikum und die Freude am Auftritt im Spiegelzelt war an ihren leuchtenden Augen abzulesen.

Überhaupt war das Spiegelzelt der ideale Rahmen für ihre Balladen, so dass man sich in die kleinen Alltagsgeschichten ihrer Texte hineinträumen konnte. Sie pflegt den “Folk Noir” mit Gitarre, Akkordeon und Loops und entführt den Hörer in jenen Grenzbereich zwischen Fiktion und märchenhafter Realität, wo Wölfe ihre Gestalt wechseln und Städte Tränen vergiessen. Einen Liveauftritt dieser Dame kann ich somit jedem wärmstens ans Herz legen. (Homepage | Myspace)

Wendy McNeill - Ask me no question
Wendy McNeill - Restless
Wendy McNeill - Carnation

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