Die Industrieruine Pleistalwerk

20 Mai

Wenn man an das Bonn zur Wende des 19. / 20. Jahrundert denkt, hat man nicht eine altindustrialisierte Stadt sondern eher die Gründerzeitviertel und das preußsische Beamtentum vor Augen. Aber auch in der Nähe von Bonn findet sich ein Industriedenkmal.  Es ist zwar relativ unbekannt und liegt ein wenig ausßerhalb der Grenzen des Bonner Stadtgebiets – doch hat es viel von dem morbiden technischen Reiz, der das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt des Jahres 2010 werden ließ. Ein wenig Internetrecherche ist nötig um den Backsteinbau ausfindig zu machen und auch mit der Erreichbarkeit per öffentliche Verkehrsmittel sieht es eher schlecht aus. Aber dennoch überrascht die Anlagen dann doch wenn man vor ihr steht: Das Pleistteilwerk.

Die auch Zeche Plato genannte ehemalige Ziegelei stellte von 1850 bis 1972 Ziegel, Backsteine und Steinzeugwaren her. Nachdem die Tonvorkommen in der Nähe erschöpft waren, wurden die Maschinen ausgeschlachtet und das Gebäude verfiel. Heute präsentiert es sich in einen ziemlich ruinösen Zustand. Die Anlage ist relativ ausgedehnt: Das Hauptgebäude hat drei Stockwerke, die sich wiederum in verschiedene Hallen, Plattformen, Diensträume und Kesselhäuser aufteilen. Die Wände des Erdgeschosses sind von Graffittis überzogen und auch Unratansammlungen tragen zu einer etwas traurigen Atmosphäre bei. Die oberen Stockwerke sind ein wenig unberührter – aber auch gefährlicher. Denn der Zahn der Zeit hat an der Bausubstanz genagt. Wo Beton und Stahl dem Verfall noch halbwegs trotzten sind Holz und Glas längst morsch geworden und zerbrochen. Insbesondere vor den nicht direkt zu erkennenden Holzplanken in den oberen Stockwerken wird gewarnt – diese sind morsch und ein Durchbrechen würde vermutlich zu einem Fall ohne Wiederkehr führen. Daher wird an dieser Stelle hingewiesen, dass das Betreten eigentlich
verboten ist und es bei Unvorsichtigkeit sehr gefährlich werden kann.

Dennoch bietet das Gebäude als Fotolocation den Charme alter Industrieanlagen, wie sie sich sonst in der Nähe nicht so leicht finden lassen. Besonders empfehlenswert scheint mir der erste Stock zu sein mit seinen langen Fensterreihen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, Glasscherben liegen verteilt auf dem Boden und ungesicherte Durchbrüche führen 7m nach unten.  So liegt das ganze Industriedenkmal in einem Art Dornröschenschlaf – denn immer wieder taucht die Anlage in den regionalen Medien auf. Doch Investoren gingen Pleite und die Bausubstanz wurde mit alle den Jahren nicht besser, so dass irgendwann, soweit es die leeren öffentlichen Kassen zulassen, wohl der Abbruch das Finale eines fast 250 Leute beschäftigenden Betriebes sein wird.

Einen Eindruck der Anlage vermitteln nachfolgende Aufnahmen (zuoberst die oberen Stockwerke, das Erdgeschoss zu unterst) – im übrigen meine ersten Gehversuche im Bereich HDR. Daher bitte ich um Verständnis für absaufende Tiefen:

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